«Ein enorm wertvoller Preis ist Ihnen sicher», las Hans Kammermann freudig überrascht in einer «Gewinnmitteilung» von Comfort Reisen in Schänis SG. Beim «kostenlosen Tagesausflug im extra gemieteten Luxus-Car» erfahre er mehr. Am 13. April pünktlich um 7.10 Uhr standen er und seine Frau am Bahnhof Glattbrugg, zusammen mit einem knappen Dutzend weiterer Personen. Doch kein Luxuscar fuhr vor, auch kein normaler. Fast zwei Stunden harrten die angemeldeten Reisenden in der Kälte aus und warteten vergeblich. Comfort Reisen war nicht erreichbar. Bis heute hat sie sich bei ihren Gästen für das Stehenlassen nicht entschuldigt und auch gegenüber dem Beobachter keine Stellung genommen.

Am Ende doppelt so teuer
Bei der Produkteshow im Restaurant kaufte Sofia Schaffner nichts. Doch den von «Rubbeln und Gewinnen» in Winterthur versprochenen «Traumurlaub an der türkischen Riviera» wollte sie sich nicht entgehen lassen. Zusammen mit ihrem Mann als zahlender Begleitperson und dem knapp zweijährigen Sohn flog sie für 530 Franken in die Türkei.

Bei der Ankunft mussten Schaffners der Reiseleitung 400 Euro für Mittag- und Nachtessen sowie Flughafentaxen bar zahlen. Das vereinbarte Dreibettzimmer stand nur in der ersten Nacht bereit, danach gabs bloss noch Zimmer mit zwei Einzelbetten. Bei einer «Fabrikbesichtigung» kauften Schaffners Schmuck für rund 1300 Franken. «Damit sind wir im Vergleich mit andern Reisenden noch gut davongekommen», sagt Sofia Schaffner, «die Verkaufsleute fielen wie Geier über unsere Gruppe her.»

Die Reiseveranstalterin Sunshine Travels entgegnet: «Es besteht kein Kaufzwang. Die Mehrheit unserer Kunden weiss, dass Länder wie die Türkei eine Verkaufsart praktizieren, die wir in der Schweiz als aufdringlich empfinden.» Für das fehlende Dreibettzimmer entschädigte sie die Familie mit rund 100 Franken. Selbst dann noch zahlten Schaffners für die gewonnene Türkeireise über 1000 Franken, den Schmuckkauf nicht mit gerechnet. «Da wird einem nichts geschenkt», weiss Sofia Schaffner heute.

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Vom Gutschein zum 20'000-Franken-Vertrag
Wieso nicht ein paar Fragen zum Thema Ferien beantworten, wenn dafür eine Weltreise zu gewinnen ist? Carlo Lanza füllte den Fragebogen aus und erhielt kurz darauf einen Anruf der Club Touristik GmbH in Olten: Er könne einen Feriengutschein abholen für eine Woche Schnupperurlaub in Salzburg oder auf Teneriffa.

Nach der Gutscheinübergabe kam Club Touristik zur Sache: Die Firma warb für den Kauf eines Ferienbesitzes. Mit einer Rendite von fünf bis sieben Prozent könne Lanza den Besitz weiterverkaufen, wenn er später kein Interesse mehr daran habe. Carlo Lanza fragte wohl kritisch nach, war aber auch der (falschen) Überzeugung, dass man jeden Vertrag innert sieben Tagen kündigen könne.

Er wähnte sich auf der sicheren Seite, als er gleich zwei Verträge unterschrieb: einen Vermittlungsvertrag und einen Kaufvertrag für 21'000 Franken. Schon auf dem Heimweg begann er zu zweifeln – beim Surfen im Internet fand er Klarheit: Er hatte einen kostspieligen Time-Sharing-Vertrag abgeschlossen (Beobachter Nr. 11/02), der grundsätzlich nicht kündbar ist.

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