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HandydiensteSchlüpfrige Belästigungen

Zu happigen Preisen verkauft die Telebilling AG Sexabonnemente. Bislang auch an Smartphone-Benutzer, die gar nicht Kunden der Firma sein wollten.

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«Dienstmitteilung: annehmen oder ablehnen?», heisst es auf dem Handy. Was fast schon amtlich klingt, führt bei Annahme zu einem pornographischen Bild, wie es ein Sexkino nur mit Zensurbalken in den Schau­kasten hängen dürfte. Darüber ein schlüpfriger Text und die Aufforderung: «Klick hier!» Wer das tut, erhält eine «Kaufbe­stätigung» mit Kundennummer und Preisangabe: Fr. 79.90/Monat. Der «Kunde» hat ein «Abonnement» abgeschlossen und kann auf seinem Smartphone Sexfilme schauen.

Man hätte das wissen können – hätte man auf dem Handy ganz nach unten gescrollt. «Strikt ab 18 Jahren», wäre dort gestanden, dann: «Mit ‹Start› bestätigen Sie, die AGB und die Konditionen gelesen, verstanden und akzeptiert zu haben.» Noch weiter unten schliesslich der Preis. Aber eben: Es muss einer erst darauf kommen, dass sich herunterscrollen lässt. Und selbst dann: Scheitert der Versuch, sanft über das Display zu streichen, drückt man etwas zu fest, wird man sofort als neuer Abonnent begrüsst.

Kein gültiger Vertrag

Dieses täuschende Geschäftsgebaren hat System: Beim Beobachter häuften sich Klagen über die Firma Telebilling AG. Sie habe Dienste verrechnet, die die Betroffenen weder wissentlich abonniert noch konsumiert hätten. Telebilling gehört zur Info Media Group, laut eigener Darstellung führende Anbieterin erotischer Unterhaltung in der Schweiz. Der Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident des Konzerns, Philippe Gilomen, ist vom Beobachter für seine Geschäfts­praktiken schon mehrfach kritisiert worden.

Gilomen weist alle Vorwürfe zurück. Der Konsument werde auf die Kostenfolge aufmerksam gemacht, sagt er, und mit dem Anklicken von «Start» seien die Konditionen sowie die AGB akzeptiert worden. Falsch, sagt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco): Telebilling ­verstosse gegen die Preisbekanntgabeverordnung und das Gesetz über unlauteren Wettbewerb. Es werde nicht gut sichtbar auf den Preis hingewiesen, der Benutzer gebe kein ausdrück­liches Einverständnis. Zwischen Handynutzer und Sexanbieter sei deshalb kein gültiger Vertrag zustande gekommen. Der Beobachter rät Betroffenen, die Forderungen per Einschreiben zu bestreiten.

Telebilling hat bereits auf die Beobachter-Recherchen ­reagiert. Nach einer Sitzung von Savass, dem Mehrwertdienste-Branchenverband, in dessen Vorstand Philippe Gilomen sitzt, kündigt Präsident ­Ulrich Giezendanner an: «In das Handyangebot wird ein Zwischenschritt eingebaut. Dort soll auf einen Blick ersichtlich werden, dass der nächste Klick mit Kosten verbunden ist.»

Veröffentlicht am 26. Oktober 2010

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2 Kommentare

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Martin Schenker
Ulrich Giezendanner ist nicht Präsident der Telebilling AG sondern der Savass. Das nur als Ergänzung.

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Mats Thommen
Bei dem Namen Ulrich Giezendanner als President der Telebilling AG läuten natürlich gleich ein Glöcklein....ist ja wohl nicht die selbe Person wie der SVP Politiker, oder doch ? Das wär natürlich der Hammer, aber ich nehme ja mal an der Beobachter hätte da selber noch einen Kommentar nachgelegt.

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