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HaustürgeschäftWenn sie klingeln, wirds teuer

Kunden klagen: Vertreter von Baufirmen schwatzen Betagten überteuerte Sanierungen auf.

Gegen die Firma Geru Bautenschutz GmbH hagelt es Beschwerden.
von aktualisiert am 07. Mai 2018

Gleich mehrere Männer standen vor Josef Troxlers Tür. Sie überzeugten den dementen 90-Jährigen, eine Aussentreppe seines Hauses in Luzern sanieren zu lassen. Kosten: 6900 Franken für 20 Quadratmeter.

Sohn Urs-Sepp Troxler, der seit zwei Jahren das Administrative für seinen Vater erledigt Beistandschaft Wenn Mama zu oft Ja sagt , sagt: «Sie drängten ihn dazu. Er braucht die Aussentreppe gar nie.» Vom Vertragsabschluss mit der Geru Bautenschutz GmbH aus Schlieren erfuhr der Sohn erst, als die Arbeiten abgeschlossen waren. Er beschwerte sich per Mail. Die blieb unbeantwortet. Im Dezember hakte er nach und bat um eine Aufschlüsselung der Kosten. Die Antwort einen Monat später: eine Mahnung. Die 6900 Franken seien ein Festpreis. Daher sei es nicht nötig, die einzelnen Positionen der ausgeführten Arbeiten exakt aufzuschlüsseln.

Troxler ist nicht der einzige unzufriedene Geru-Kunde. In Deutschland, wo die Firma ebenfalls aktiv ist, hagelt es Beschwerden. Geru-Mitarbeiter sollen etwa einen parkinsonkranken Senior an der Haustür überredet haben, den Balkon renovieren zu lassen. Für 4000 Euro.

Der Gesellschafter der Firma, Peter Ruoff, relativiert solche Vorwürfe: «Wir haben 10'000 Aufträge pro Jahr, bei denen stets die Qualität stimmt.» Zur Kritik, dass man vor allem Senioren bei Haustürgeschäften anspricht, sagt er: «Der Grund ist einfach: Ältere Menschen wohnen eher in sanierungsbedürftigen Häusern.»

Doch noch kulant reagiert

Im Fall des dementen Josef Troxler lenkt die Geru Bautenschutz GmbH nach Intervention des Beobachters ein. «Wenn uns der Sohn ein Arztzeugnis schickt, das die Demenz bestätigt, werden wir von den Forderungen zurücktreten», verspricht der Geschäftsführer Charles Vock.

Das sei der richtige Weg, sagt Walter Noser vom Beobachter-Beratungszentrum. Denn: Bei einem Vertragsabschluss könne man davon ausgehen, dass der Unterzeichner urteilsfähig ist. Sonst brauche es im Nachhinein Beweise, zum Beispiel ein Arztzeugnis.

Für Urs-Sepp Troxler kommt die Kulanz überraschend. «Nach mehr als einem halben Jahr Streit habe ich nicht mehr an ein gutes Ende geglaubt.»

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Jasmine Helbling, Online-Redaktorin

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