Swisscom, Sunrise, diAx, Orange: An diese Namen haben wir uns inzwischen gewöhnt, wenn es um Telefon und Natel geht. Aber HerbaTel? Landauf, landab haben in den letzten Wochen so genannt «unabhängige Beraterinnen und Berater» versucht, Wiederverkäufer für ein Telekommunikationsunternehmen dieses Namens anzuwerben. HerbaTel erinnert an Herbalife – dem Beobachter seit Jahren bekannt als Anbieterin von Ernährungszusätzen zur Gewichtskontrolle und von Kosmetika.

Jetzt sollen die Herbalife-Beratenden neben Instant-Getränken und Make-up auch noch Telefonminuten verkaufen – und damit viel Geld verdienen. So zumindest wird es in dreistündigen Seminarien jenen Interessenten erzählt, die sich auf Stellenangebote in der Tagespresse melden. Gesucht werden «Führungskräfte in Organisation und Vertrieb», offeriert wird ein «krisensicherer Spitzenverdienst».

EinVertrag mit Swisscom, der keiner ist
«Mir kam das von Anfang an merkwürdig vor», erzählt Peter Stoffel aus Rorschacherberg SG nach dem Seminarbesuch. «Aber die Herbalife-Vertreter versicherten, es gebe einen Vertrag mit Swisscom, und das Angebot werde am 1. August starten.» Bloss: Bei der Swisscom hat man den Namen HerbaTel noch nie gehört. Und auch beim Bundesamt für Kommunikation, wo alle Geschäftsbeziehungen zwischen Telekommunikationsfirmen registriert werden, ist kein solcher Vertrag bekannt.

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HerbaTel-Supervisor Modesto Lopez, der Stoffel als neuen Berater gewinnen wollte, gibt sich dazu wortkarg. Die anfängliche Zusage zu einem klärenden Gespräch mit dem Beobachter zieht er nach Rücksprache mit seinem Chef Rolf Bänziger wieder zurück.

Klartext kommt dafür aus der Zentrale im deutschen Weiterstadt. Im Gegensatz zu Deutschland stehe HerbaTel in der Schweiz noch nicht zum Verkauf zur Verfügung, so Heinz-Dieter Stops, Niederlassungsleiter von Herbalife International Deutschland GmbH. «Zurzeit arbeiten wir mit unseren Rechtsanwälten und den Schweizer Behörden daran, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Vertrieb des Produkts abzuklären.» Man habe die Schweizer Berater darauf hingewiesen, dass jegliche Werbung für HerbaTel bis zum Zeitpunkt der offiziellen Markteinführung zu unterlassen sei. Stops: «Bewirbt ein Distributor ein Produkt, das auf dem Markt nicht zur Verfügung steht, verstösst er gegen die Beraterrichtlinien.»

Mangelhaft informierte Berater
Die Weisung aus Weiterstadt ist in der Schweiz offensichtlich nicht überall angekommen: Gleichentags sucht ein anderer Ostschweizer Herbalife-Berater mittels Inserat «starke Persönlichkeiten für die Beratung im Telekommunikationsbereich». Und auch Beobachter-Leser Franz Hertig aus Seon AG ist Mitte August an einem HerbaTel-Seminar in Baden AG gefragt worden, ob er nicht als Verkäufer von Telefonminuten «schnell sehr reich werden» wolle. Er erhalte bis zu 40 Prozent des Umsatzes. Auch ihm wurde erklärt, HerbaTel habe einen Vertrag mit der Swisscom abgeschlossen und wolle «rasch starten».

Hertig und Stoffel liessen die Finger davon – wohl zu Recht. Denn das Direktvertriebssystem ist dasselbe wie bei den Drinks und Lippenstiften: Je mehr neue Mitarbeiter ein Herbalife-Berater anwirbt und je mehr diese verkaufen, desto höher ist seine Provision und damit sein Einkommen.

Das funktioniert aber nur, solange das Unternehmen wächst. Bereits jetzt kämpfen in der Schweiz 3400 Berater um jede Kundin und jeden Kunden. Angesichts der hohen Gewinnversprechen ist es darum nur die halbe Wahrheit, wenn die Rede davon ist, das Geschäft enthalte «absolut keinerlei Risiken».

Dafür sorgt das HerbaTel-Angebot auf der amerikanischen Internetseite für Heiterkeit. Wer dort die deutsche Ubersetzung anklickt, erfährt staunend: «Ausser mit Tief setzen Sie Kinetik, auch ein!» Im englischsprachigen Original heisst es: «Save with low in-state rates, too!» – was korrekt übersetzt etwa bedeutet: «Sparen Sie auch mit tiefen Inlandtarifen.»

Vielleicht wäre es besser, wenn Herbalife zunächst einen diplomierten Ubersetzer engagiert, bevor sie im Schweizer Telecomgeschäft Millionen abkassieren will.