Benno Jerg, Gärtner und Inhaber eines Blumengeschäfts in Goldach, ist irritiert. Am Telefon kontaktiert ihn die Zürcher Firma Incom, Agentur für Stadtmarketing, als ob er mit ihr in geschäftlichem Kontakt stünde. Falls Jerg keine Werbung mehr wolle, so der Mann am Telefon, müsse er dies bloss auf dem nachfolgenden Fax bestätigen.

In der Mitteilung, die Incom gleich nach dem Anruf faxt und die Jerg sofort unterschreiben und zurückschicken soll, heisst es: «Es folgen keine weiteren Anzeigen mehr, Aktion bleibt wie besprochen einmalig.» Doch Jerg kann sich beim besten Willen nicht erinnern, der Incom schon einmal einen Werbeauftrag erteilt zu haben. Hat er auch nicht.

Vorspiegeln von Geschäftsbeziehungen – diese Akquirierungsmethode scheint die Incom mit System anzuwenden. Zahlreiche Kleinunternehmen haben den Beobachter um Rat gefragt, nachdem sie von der Incom auf diese irritierende Weise kontaktiert worden waren. Und viele von ihnen haben in der Arbeitshast der mündlichen Zusicherung vertraut, den Fax unbesehen unterschrieben und geglaubt, die Sache sei damit erledigt. Ein Irrtum: Das Kleingedruckte auf dem Papier enthält einen Inserateauftrag, für den die Incom eine Rechnung von 1000 Franken und mehr stellt.

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«Unsere Verträge beinhalten keine Verlängerungsklauseln wie bei der Konkurrenz», kontert Incom-Inhaber Harun Demirici kritische Fragen, «die Kunden wünschen ein einmaliges Vertragsverhältnis.» Schön gesagt. Doch in Tat und Wahrheit wünschen die Kleinunternehmen gar kein Vertragsverhältnis.