Aus heiterem Himmel erhält Hanni Wiesner aus Weinfelden TG von Rexxer Inkasso in Lugano eine Mahnung: Rund 900 Franken schulde sie für telefonische Beratungen durch den Hellseher Silias von Broven. Wiesner erinnert sich, mit dem Hellseher telefoniert zu haben: «Das war 1998, als ich wegen des Todes meines Mannes in einer Krise war.» Doch die Gespräche hatte sie mit der Telefonrechnung bezahlt. «Ich wählte jeweils eine 0901-Nummer und hatte Telefonrechnungen für über 1000 Franken», sagt Wiesner. Was also soll noch geschuldet sein?

Diese Frage beantwortet Rexxer nicht – weder Wiesner noch anderen Personen, die die gleichen Mahnungen bekommen und sich deswegen an das Beobachter-Beratungszentrum gewendet haben. Die Firma bleibt nicht nur den Beweis für die Forderungen zwischen 200 und 900 Franken schuldig, sondern greift massiv an: «Sie haben gelogen. Wenn wir Ihre Zahlung nicht innert fünf Tagen erhalten, werden wir betreiben und dem zuständigen Richter alle Fakten auf den Tisch legen», schüchtert sie zum Beispiel Wiesner ein. Einer anderen angeblichen Schuldnerin droht Rexxer mit «200'000 Franken Schadenersatzkosten» und schreibt: «Bei Ausländern wird zusätzlich das Migrationsamt/Ausländerpolizei über das Verfahren informiert.»

Als der Beobachter Rexxer auffordert, die Forderungen zu beweisen, folgen wieder harsche Worte: «Wenn Sie einen Artikel veröffentlichen, werden wir Strafanzeigen eröffnen.» Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist der Ton so bissig, weil die Drohungen leer sind.

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