Zehn «letzte Mahnungen» und Betreibungsandrohungen erhielt Margrit Kessler aus Galgenen SZ von der Inkassofirma Intrum Justitia. Immer sollte sie eine angebliche Bücherlieferung des Bertelsmann-Verlags über knapp 47 Franken plus Kosten bezahlen. Eine Geschichte, wie sie tausendfach passiert. Doch Kessler hatte die Bücher weder bestellt noch erhalten.

Im November 2005 versprach Intrum, den Sachverhalt abzuklären. Doch statt dies zu tun, verlangte sie im letzten Januar wieder, Kessler solle endlich die «unbestrittene Forderung» begleichen. Gegenüber dem Beobachter beharrt Intrum-Sprecherin Bettina Bickel darauf, die Forderung bestehe zu Recht. Kessler habe sich zu einer Bertelsmann-Clubmitgliedschaft mit Bestellungen verpflichtet.

Ganz wohl scheint es Intrum aber nicht zu sein. Ende Juni winkte die Firma aus Schwerzenbach ZH mit einem Rabatt: Stefan Angehrn habe eine Reduktion der Schuld um 20 Prozent «herausgeboxt», heisst es in einem Schreiben an Kessler, das ein Foto des Ex-Boxers zeigt und für dessen Buch («Plan B: Wie man seine Schulden auf null bringt») wirbt. Im August offerierte Angehrn sogar noch eine Ratenzahlung.

Fest steht, dass das Intrum-Aushängeschild mit der Aktion einen Rabatt auf seine Schulden herausholt. Als international erfolgreicher Halbschwergewichts-Boxer musste er im Ring nie einen Knock-out-Schlag hinnehmen, doch privat stand der 41-Jährige mit 500’000 Franken in der Kreide. Seit anderthalb Jahren warnt Stefan Angehrn deshalb im Auftrag von Intrum Justitia in Schulklassen vor dem Schuldenmachen. Trotz neuem Erfolg als Buchautor ist sein Schuldenberg aber noch immer sechsstellig.

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