Der selbstständige Architekt Peter Bandi aus Uitikon ZH fand über ein Kleininserat zur St. Galler Firma Galvaro AG. Sie sollte für ihn eine ausstehende Forderung über 70'000 Franken von einem Bauherrn eintreiben. «Noch von meinem Büro aus telefonierte Galvaro-Chef Mohamed Naceur Ayari den beiden Schuldnern, um ihnen mitzuteilen, dass er sich ums Inkasso dieser Forderungen kümmern werde», erinnert sich Bandi. Gleichentags überwies er einen Vorschuss von 5000 Franken an Ayari. Das war am 17. Dezember 2004. Sechs Tage später schrieb Ayari den beiden Schuldnern je einen Brief, kurz darauf bestritten beide die Forderungen.

Seither ist nichts mehr passiert. Auf die immer drängenderen Fragen Bandis per Telefon, Mail und Einschreibebriefe reagierte Ayari zuerst mit Ausflüchten und schliesslich gar nicht mehr. Nicht einmal die vertraglich zugesicherten «regelmässigen Sachstandsberichte» erhielt Bandi.

Auf ihrer Internetseite behauptet die Galvaro AG, dass «bestens geschulte und erfahrene Ermittler» ein dichtes «Netz von Informationsquellen» nutzen, bevor sich «unsere ebenfalls exzellent geschulten Inkassomitarbeiter vor Ort, persönlich und mit entsprechendem Druck um den Schuldner kümmern». Davon hat Peter Steiger (Name geändert) wenig gemerkt. Der Lehrer aus Willisau LU versucht ein Darlehen über 24'000 Franken von einem ehemaligen Kollegen einzutreiben und hat Ayari dafür im Juni 2005 3'167 Franken bezahlt. Bislang ohne Resultat, denn die Galvaro AG hat es knapp anderthalb Jahre nach Übernahme des Falls noch nicht geschafft, ein Treffen mit dem Schuldner zu vereinbaren. Dieser sei immer wieder nach Österreich gereist, rechtfertigt sich Ayari. Wie heisst es auf seiner Homepage: «Galvaro AG hat sich im Besonderen darauf spezialisiert, schwer einzubringende Forderungen einzutreiben.»

Überrissene Honorarforderungen
Auch Jakob Metzger fühlt sich geprellt. Sein Kleinbetrieb fordert von einem Lieferanten 37'000 Franken. Am 9. Februar 2004 bezahlte Metzger 4'114 Franken an die Galvaro AG. Nur gerade zwei Briefe an den Schuldner sowie einen an seinen Auftraggeber Metzger kann Ayari an Leistungen für diesen Kostenvorschuss belegen. Für Metzger eine zu dünne Bilanz: Er hat einen Anwalt eingeschaltet und lässt die Galvaro AG nun betreiben.

Alle Gläubiger haben eines gemeinsam: Sie haben einen sehr unvorteilhaften Vertrag mit der Galvaro AG unterschrieben. «Verschiedene Klauseln sind äusserst unüblich, und zum Teil ist zweifelhaft, ob sie einer gerichtlichen Überprüfung standhalten würden», sagt Robert Simmen, Geschäftsführer des Branchenverbands VSI (Verband Schweizerischer Inkassotreuhandinstitute), wo die Galvaro AG nicht Mitglied ist und «mit solchen Geschäftspraktiken auch nicht Mitglied werden könnte». So schreibt die Galvaro im Kleingedruckten, sie sei «auf keinen Fall haftbar», selbst wenn sie nachweislich Fehler gemacht oder Fristen versäumt habe.

Ausserdem verlangt die Galvaro AG exorbitant hohe Honorare: Branchenüblich sind eine Fallgebühr von rund 50 Franken plus ein Anteil von sieben bis zwölf Prozent des tatsächlich eingetriebenen Geldes. Diese Erfolgsprämie beträgt bei der Galvaro satte 33 Prozent - und selbst wenn sie kein Geld eintreibt, kassiert sie vom Gläubiger bis zu 20 Prozent.

Galvaro-Inhaber Ayari ging vor fünf Jahren mit einer anderen Inkassofirma in Konkurs. Warum? Auf diese Frage sowie auf die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Galvaro AG mochte Ayari nach Rücksprache mit seinem Anwalt nicht antworten. Ebenso unbeantwortet blieb die Bitte, dem Beobachter Referenzen von zufriedenen Kunden zu nennen.