Die britische Ärztin Sacha Bull suchte eine möblierte Wohnung in Zürich, da sie einen einjährigen Forschungsaufenthalt am Unispital vor sich hatte. Da sie von der Wohnungsnot in Zürich gehört hatte, war die 37-Jährige erfreut, als sie auf einer Website gleich mehrere günstige Angebote zur Untermiete fand.

«Ich bin zu 100 Prozent echt»

Es gab nur einen Haken: Die Wohnungen konnten nicht besichtigt werden, weil der Eigentümer «beruflich im Ausland» war. Man werde ihr aber den Schlüssel schicken, wenn sie 1000 Franken als Depot überweise, liess man sie wissen. Einer Mail angehängt war die Kopie des Reisepasses des angeblichen Besitzers. Es gehe ihm nicht ums Geld, sondern darum, dass die Wohnung in guten Händen sei, schrieb er. Das konnte Sacha Bull gut nachvollziehen.

Als sie dennoch darauf bestand, die Wohnung erst besichtigen zu können, schrieb ein angeblicher Vermieter entrüstet zurück: «Sie klingen skeptisch. Ich habe nicht versucht, sie in einen Hinterhalt zu locken. Ich selbst und meine Wohnung sind 100 Prozent echt.» Die Kaution sollte über eine amerikanische Zwischenbank auf ein Bankkonto in der Ukraine überwiesen werden. Sacha Bull verzichtete.

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Bei der Zimmer- und Wohnungsvermittlung der Universität und der ETH Zürich kennt man die Masche – und weiss von etlichen Studierenden, die im letzten halben Jahr auf sie hereinfielen. Bis zu 2000 Franken hätten die Betroffenen jeweils so verloren, bestätigt Pascal Felber, Leiter der Zimmer- und Wohnungsvermittlung UZH/ETH. Um Betrugsfälle über ihre Websites zu verhindern, haben Universität und ETH nun Warnhinweise platziert – auch in eng­lischer Sprache. Weil fast wöchentlich betrügerische Inserate auf der Wohnungsanzeigen-Website aufgegeben werden, prüft Felbers Team jetzt alle Inserate einzeln.

Vorsicht bei holprigem Deutsch

Folgende Anzeichen sollten einen bei Wohnungsanzeigen stutzig machen: nur eine ausländische oder gar keine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse im Ausland, keine Angabe des Stadtkreises, holpriges Deutsch. Und: Auf den Fotos der Wohnungen sind die Vorhänge gezogen, damit man die Umgebung nicht erkennt. «Solche Anzeigen löschen wir sofort», sagt Pascal Felber. «Vollumfängliche Sicherheit können wir aber nicht bieten.»

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