Exakt diese Maschine hat der 20-jäh­rige Dominik Schlup schon immer gesucht: eine Honda CBR 600 RR, knallrot, in bestem Zustand. So jedenfalls sah es auf dem Foto auf Bikeweb.ch aus.

Doch eigentlich, das weiss auch Dominik Schlup, kauft man einen 3500-Euro-Töff beim Händler seines Vertrauens, und auch dort erst nach einer Probefahrt. Aber diese Honda ist so perfekt! Der Solothurner ringt mit sich. «Der Preis war einfach unschlagbar, in der Schweiz hätte ich sicher 6500 Franken gezahlt», sagt er. «Dennoch war es nicht so absurd billig, dass zwangsläufig etwas nicht stimmen konnte.»

Schlup mailt dem Verkäufer, einem gewissen Elliott Barnes aus London. Der antwortet: Das Motorrad sei in tadellosem Zustand, alle notwendigen Papiere seien vorhanden. Natürlich müsse Schlup keinen Cent zahlen, bis er es gesehen und getestet habe. Danach werde eine Drittfirma mit Vertrag und Transport betraut, und wenn der Töff dann doch nicht gefalle, könne Schlup ihn innert einer Woche zurücksenden. Was dem Schweizer nicht auffällt: Wäre Barnes ein echter Brite, würde er wohl nicht ganz so viele Schreibfehler machen.

«Vier Jahre lang dafür gespart»

Doch Dominik Schlup, in Ausbildung zum Polymechaniker, ist aus anderen Gründen skeptisch: Er schreibt dem Verkäufer, er wolle den Töff Probe fahren, bevor er Geld ins Ausland überweise. Barnes antwortet, er habe volles Verständnis. Das Geld gehe ohnehin an die Vermittlerfirma, die es aufbewahre und erst an den Verkäufer weiterleite, wenn der Deal abgeschlossen sei.

Schlup googelt die Transportfirma, findet sie aber nirgends. «Sie müssen meine Vorbehalte verstehen», mailt er sehr höflich nach England, «ich habe vier Jahre lang auf dieses Motorrad gespart.»

Seit der ersten E-Mail ist eine Woche vergangen; Barnes ist langsam genervt, seine Nachrichten werden kürzer: Das Bike stehe bereit, wann denn das Geld komme. Schlup sucht nochmals die Transportfirma, findet schliesslich einen Eintrag: eine Firma, die Fahrer anwirbt und einen sicheren Lohn verspricht. «Das hat mich wieder in der Meinung bestärkt, die Sache müsse seriös sein.» Doch er zögert noch immer. Was er nicht bemerkt: Die Firma nennt keine Adresse, keine Telefonnummer.

Eine weitere Woche später spielt Elliott Barnes seinen Trumpf: «Lassen Sie mich bitte wissen, ob Sie das Motorrad jetzt wollen. Ich habe noch einen anderen Interessenten.» Dominik Schlup antwortet: «Yes, I want it.» Er zahlt ein, schickt eine Kopie des Zahlungsauftrags an die Drittfirma, die Barnes ihm angegeben hat.

Gemäss dem Online-Tracking wird das Motorrad sechs Wochen nach dem ersten Mailkontakt verschickt. Zwei weitere Wochen später schreibt Dominik Schlup, es sei noch nicht angekommen, ob das nicht seltsam sei. Doch auf der anderen Seite herrscht plötzlich Funkstille. Den letzten Versuch unternimmt Schlup nach gut zwei Monaten: «Bitte melden Sie sich, wenn Sie meine E-Mail erhalten!» Doch Hoffnungen macht er sich nicht mehr: «Mir wurde klar, dass sich mein ungutes Gefühl bestätigt hatte. Ich war hereingelegt worden.»

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