«Alle starrten mich an! Ich wäre am liebsten im Boden versunken», erinnert sich Angela Keller*. Der Verkäufer teilte ihr lauthals mit, sie sei als nicht kreditwürdig eingestuft. Sie könne den Fernseher also nicht auf Rechnung bestellen, sondern müsse sofort zahlen.

Als dann auch noch ihrem Sohn in zwei Onlineshops die Bestellung auf Rechnung verwehrt wurde, da wurde sie hellhörig. Ein Anruf im Kundenzentrum ergab: kreditunwürdig – Mutter wie Sohn. Diese Einstufung kam von der Inkassofirma Intrum Justitia.

Eine pauschale Sperre

Das Problem: Kellers Exmann lebt mit seiner Familie gleich neben Angela Keller. Die Familien teilen Hausnummer und Nachnamen – aber nur im Haushalt des Exmannes gibt es kreditunwürdige Personen. Intrum Justitia attestiert Angela Keller und ihrem Sohn denn auch auf Anfrage eine gute Bonität und ­somit Kreditwürdigkeit.

Die Inkassofirma unterscheidet allerdings nicht nach Personen, sondern sperrt pauschal nach Nachname und Adresse. «Wir wollen so sicherstellen, dass sich nicht jemand mit einer schlechten Bonität mit dem Benutzerkonto eines Familienmitglieds einloggt und so auch noch deren Kreditwürdigkeit heruntersetzt oder aber ein Familienmitglied unter Druck setzt, etwas für ihn zu kaufen», ­erklärt Intrum-Sprecher Michael Loss.

Das findet Angela Keller eine Frechheit: «Ich habe meine Rechnungen immer bezahlt, trotzdem werde ich nun mit all jenen in einen Topf geworfen, die das nicht tun.» Intrum-Sprecher Loss entgegnet, ­Statistiken würden belegen, dass in Haushalten mit einer kreditunwürdigen Person überdurchschnittlich häufig auch noch eine zweite kreditunwürdig werde. Man gehe deshalb lieber auf Nummer sicher – zudem habe niemand ein Recht auf einen Konsumkredit.

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Ein «Kollateralschaden»

Und was, wenn Herr Müller aus dem 15. Stock nicht kreditwürdig ist, während Herr Müller aus dem ersten Stock ­eine reine Weste hat? Dann können beide Dokumente vorlegen, die beweisen, dass sie nichts miteinander zu tun haben. Ansonsten bleibt nur eine andere Zahlungsmethode, etwa per Kreditkarte. Wer Name und Adresse mit einer kreditunwürdigen Person teilt, hat somit Pech. «Diesen Kollateralschaden müssen wir leider in Kauf nehmen», so Intrum Justitia.

*Name geändert