Die Vorfreude war nur kurz. Den britischen Sänger Ed Sheeran im Hallenstadion, das wollte sich Claudia S.* aus Glarus nicht entgehen lassen. Mit zwei Freundinnen versuchte sie beim Start des Vorverkaufs Billette zu ergattern – via Hotline von Ticket­corner. Nur: Nach sechs Minuten war das Konzert vom März ausverkauft.

Doch offensichtlich wollten längst nicht alle ans Konzert, die Tickets gekauft hatten. Wenige Stunden später tauchten auf der Versteigerungsplattform Ricardo Dutzende Angebote auf. Zu Wucherpreisen. «Das macht mich echt wütend», sagt Claudia S.

300 Franken für einen Stehplatz

24 Stunden nach dem Ultrakurz-Vorverkauf waren auf Ricardo weit über 100 Tickets zu haben. Statt 80 Franken kostet ein Stehplatz schnell mal 300.

Musikliebhaber, die im Vorverkauf das Nachsehen hatten, ärgern sich grün und blau. In den Kommentarspalten im Internet verschaffen sie sich Luft. Ticketcorner sieht sich einmal mehr mit dem Vorwurf konfrontiert, den Graumarkt nicht zu unterbinden. Auf Anfrage heisst es ­lapidar: «Solange der kommer­zielle Wiederverkauf vom Gesetz toleriert wird, sind uns leider die Hände gebunden.» Ticketcorner registriere aber Personen, die im Graumarkt aktiv sind, auf einer «Blacklist». «Die Käufe dieser Personen werden dann storniert», sagt Sprecher Stefan Epli.

«Chaos wäre programmiert»

Personalisierte Tickets, wie etwa bei Festivals üblich, seien bei Konzerten im Hallenstadion nicht praktikabel, so Epli. Durch Kon­trollen der Identitätskarten und Namen sowie Abweisungen von Besuchern mit falschen Namen auf Tickets «wäre ein Chaos vor den Eingängen programmiert».

Viele Tickets würden im Vorfeld im privaten Rahmen die Hand wechseln – aus unterschiedlichsten Gründen. Versuche im Ausland, das zu unterbinden, etwa an der Fussball-WM 2006, seien allesamt gescheitert, heisst es bei Ticketcorner.