Sandra Gasser lädt nie Programme vom Internet herunter. Auch ihre Bankgeschäfte erledigt die 57-Jährige ohne Computer. Und doch ist sie auf Betrüger hereingefallen. Mit einem simplen Trick haben sich diese Zugang zu ihrem Gerät verschafft und dann fast 2000 Franken über ihre Kreditkarte abgebucht.

Wie genau die Betrüger an die Kartendaten herangekommen sind, kann sich Gasser bis heute nicht erklären. Im Fe­bruar reagierte sie auf ein plötzlich eingeblendetes Fenster, das sie aufforderte, sich bei Microsoft zu melden, falls sie mit dem Tempo des Computers unzufrieden sei. Gesagt, getan. Bald wurde sie aus einem Call-Center angerufen, von einem angeblichen Microsoft-Angestellten. Er gab vor, ihr Gerät neu zu installieren. Vermutlich wurde der ahnungslosen Frau damals eine Spionagesoftware auf den Computer kopiert.

Über Zahldienste abgezockt

Als Gasser ihre Kreditkarten­abrechnung erhielt, musste sie leer schlucken: Nur einen Tag nach dem verhängnisvollen Telefongespräch waren ihr via Western Union zweimal 250 Franken abgebucht worden – für einen angeblichen Kauf bei einem amerikanischen Internetshop. Zwei Tage später wurden nochmals 230 Franken verrechnet, diesmal über den Internet-Zahldienst Paypal.

Sie reklamierte bei Western Union, Paypal und der Kreditkartenfirma Swiss­card der Credit Suisse – erfolglos. Erst als sie insistierte und ihr trotz gesperrter Karte eineinhalb Monate später erneut 1100 Franken abgebucht wurden, lenkte Swisscard ein. Sandra Gasser erhält ihr Geld zurück.

Laut Swisscard liegt die Quote der Betrügereien «im niedrigen Promillebereich». Die Meldestelle für Internetkriminalität spricht dagegen von einer «konstant hohen Zahl» von Verdachtsmeldungen. Die Masche mit dem angeblichen Microsoft-Techniker war bisher nur aus dem Ausland bekannt.

Anzeige

Vorsicht: Falsche Swisscom

In der Schweiz sorgten kürzlich fingierte Swisscom-Rechnungen für Ärger. Aktuell kursieren E-Mails, die angeben, Swisscom-Kunden müssten ihre E-Mail-Adresse «verifizieren». Jede dieser Nachrichten hat dasselbe Ziel: Sie will Benutzer dazu bringen, persönliche Daten wie Kontonummer und Passwörter bekanntzugeben.

Melden Sie verdächtige E-Mails, Anrufe der Meldestelle für Internetkriminalität beim Bundesamt für Polizei.