Zehn Jahre sind im Zeitalter elektronischer Geräte eine halbe Ewigkeit. So lange schon werden Konsumenten von der Politik dahin gehend vertröstet, dass es bald ein einheitliches Ladekabel für Mobiltelefone und andere portable Geräte geben soll. Damals kündigte EU-Industriekommissar Günter Verheugen an, sich für eine Vereinheitlichung einzusetzen. Doch bis heute hat sich nichts getan.

Es genügt anscheinend nicht, dass jeder Anbieter mit einem eigenen Stecker auf den Markt drängt. Handyhersteller haben sogar je nach Gerätegeneration unterschiedliche ­Stecker verwendet. Zugleich erhält jeder, der ein neues Handy kauft, ein neues Ladekabel. Auch wenn das alte noch völlig intakt war.

Daran änderte sich auch 2012 nichts, als 14 Hersteller von Mobilgeräten eine Selbst­verpflichtung unterzeichneten; sie wollten den sogenannten Micro-USB-Stecker als Standard verwenden. Sie hielten sich nicht daran. Apple etwa sicherte ebenfalls zu, bei der Vereinheitlichung mitzumachen. Doch der Konzern hielt an den eigenen Steckern fest und brachte lediglich einen Adapter heraus.

Anzeige

Trotz Selbstverpflichtung: Die Industrie wehrte sich mit Händen und Füssen gegen eine Vereinheitlichung. Sie argumentierte, eine solche würde die Innovation in Sachen bes­sere und effizientere Ladegeräte behindern.

Schweiz schreibt einheitliche Ladegeräte vor

So verabschiedete 2014 schliesslich das EU-Parlament ein Gesetz zu einem einheitlichen Standard für Ladegeräte. Die Schweiz zog nach, seit Mitte 2016 steht in der Fernmeldeverordnung: «Die Anlagen müssen mit bestimmtem Zubehör, insbesondere mit einheitlichen Ladegeräten, kompatibel sein.»

Bis jetzt bleibt diese Vorschrift aber toter Buchstabe. Denn die EU-Kommission hat noch immer nicht festgelegt, welcher Stecker Standard werden soll. Wann der Entscheid fällt, ist unbekannt. Und so werden die Handyhersteller weiter ihre eigenen Stecker produzieren – zum Ärger der Kunden.

Anzeige