«Leiden Sie an Erektionsstörungen?» oder «Leiden Sie unter Osteoporose?» – immer häufiger werden in der Schweiz Patienten via Zeitungsinserate für die Teilnahme an wissenschaftlichen Studien gesucht.

«Unser Land ist zu klein, um genügend Versuchspersonen in kurzer Zeit zu rekrutieren», sagt Urs Bigler, Kommunikationsleiter von Novartis Pharma Schweiz. Rund 20 Personen meldeten sich in der Regel auf ein solches Inserat, höchstens drei könnten jeweils in die Untersuchung aufgenommen werden. Verdienen können die Probanden dabei nichts – sie erhalten lediglich das Medikament gratis.

Interessierte sollten die Angebote gut prüfen, da oft wirtschaftliche Interessen dahinter stecken. «Inserate sind auch ein Marketinginstrument», sagt Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizerischen Patientenorganisation. Oft gehe es den Pharmakonzernen darum, die neuen Präparate bei Ärzten und Patienten bekannt zu machen. «Zudem ist es schon vorgekommen, dass Patienten selbst in die Tasche greifen mussten, weil im Lauf der Studie eine Zusatzbehandlung nötig wurde.» Teilnehmer sollten deshalb zuvor abklären, wer bei Medikamentenunverträglichkeit oder bei allfälligen Folgeschäden zahlt.

An der Grenze der Legalität
Auch ist es heute gang und gäbe, dass die forschenden Ärzte vom jeweiligen Pharmakonzern entschädigt werden, die Behandlung aber trotzdem der Krankenkasse belasten – ein fragwürdiges Verhalten an der Grenze der Legalität. Ebenfalls kostentreibend ist ein Nebeneffekt vieler Studien: Bei den Tests werden oft weitere Krankheiten diagnostiziert. So vermeldete zum Beispiel Viagra-Hersteller Pfizer, dass von knapp 1000 Männern, die sich wegen Erektionsstörungen an den Arzt wandten, jeder fünfte an Bluthochdruck und jeder sechste an Diabetes leide.

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Zwar werden die Zeitungsinserate zur Patientensuche vor der Publikation von einer Ethikkommission geprüft. Diese ist jedoch nicht immer unabhängig, kritisiert Dominique Sprumont, Experte für Gesundheitsrecht an den Universitäten Freiburg und Neuenburg. «Manchmal sind die Kommissionen eher der Forschung zugeneigt als dem Schutz der Patienten.»