Und nicht nur gegen ihn: «Allein in seiner Klasse haben mehrere Buben die Strafanzeige erhalten», sagt Mikes Mutter. Bei der St. Galler Staatsanwaltschaft sind rund 200 Strafanträge eingegangen.

Men Mobile wirbt mit Kleininseraten für billiges erotisches Vergnügen am Telefon. Gemäss verschiedenen Inseraten kostet der Dienst 7,5 Rappen pro Minute. Die Anrufer erhielten wenige Tage nach dem Telefonat Rechnungen über 135 Franken. Sie hatten unwissentlich ein Monatsabo für 30 Stunden gelöst. Men-Mobile-Anwalt Federico Pedrazzini sagt dazu: «Seit 2008 sind die Inserate und Ansagen rechtlich korrekt formuliert.»

Doch beim Beobachter-Beratungszentrum reissen die Klagen über Men Mobile nicht ab. Und zumindest bei einer der besagten Telefonnummern weiss man erst, wenn man während des Anrufs noch eine Internetseite anklickt, dass man ein Monatsabo für 135 Franken abgeschlossen hat. Diese Art der Preisbekanntgabe entspricht nicht den gesetzlichen Vorschriften.

Umso stossender ist, dass die Staatsanwaltschaft St. Gallen nun zuerst die Anrufer, die auf die Men-Mobile-Inserate hereingefallen sind, strafrechtlich verfolgt – statt die Telefonsexfirma. Erst recht unverständlich ist das, weil bei der gleichen Staatsanwaltschaft seit 2008 ein entsprechendes Strafverfahren hängig ist. Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco hat Men Mobile gleich zweimal verzeigt, da die Anrufer nicht genügend auf den Preis der Telefonate und der Abos aufmerksam gemacht wurden.

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Das Schreiben, das Staatsanwältin Petra Hutter aber den Angezeigten sandte, erweckt bei juristischen Laien den Eindruck, als hätten sie keine Chancen, sich gegen den Vorwurf zu wehren. Dem ist nicht so. Obwohl Hutter schreibt, der objektive Straftatbestand des Erschleichens einer Leistung sei erfüllt, sollte man trotzdem Einsprache erheben. Gegenüber dem Beobachter sagte die Staatsanwältin, dass sie das Verfahren einstellen werde, wenn Eltern ihr mitteilen, dass ihre minderjährigen Kinder ohne ihre Zustimmung auf die Nummern angerufen haben. Oder wenn man begründen kann, dass man überzeugt war, der Anruf koste lediglich 7,5 Rappen pro Minute und nicht 135 Franken.

Die Staatsanwältin hat Men Mobile Entertainment mit ihrem Schreiben einen Gefallen erwiesen: Um einem Strafverfahren zu entgehen, meldeten sich offenbar gegen hundert Angezeigte bei Men-Mobile-Anwalt Pedrazzini und verhandelten mit ihm über einen Zahlungsvorschlag. So kommt die Telefonsex-Firma zu Geld, ohne vor Gericht mit Mühe den Beweis erbringen zu müssen, die Anrufer hätten sich strafbar gemacht.

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