Wer stört heute beim Znacht: Ist es eine Krankenkasse, eine Weinhandlung oder eine Lebensversicherung? Neuerdings gibt es sogar Werbeanrufe, die künftige Werbeanrufe verhindern sollen – eine teure und mutmasslich nutzlose Sache.

«Die Anruferin nannte sich Frau Meier und versprach, sie habe ein Rezept gegen nervende Werbetelefonate», erzählt Be­ob­achter-Leserin Margaretha Strausak. Die Burgdorferin zeigte sich interessiert, zögerte aber, als sie hörte, dass der ­angebliche Schutz vor Telefonwerbung etwas kosten solle: nämlich Fr. 9.90 pro Jahr während mindestens zehn Jahren.

«Frau Meier» pries ein Produkt namens Werbesperre24 an: Für 99 Franken verschickt die SwissCall GmbH zwei vorgedruckte Formulare, die die Kunden an die Swisscom sowie an den Verband der Werbebranche schicken können – um einen Sternvermerk im Telefonbuch respektive den Eintrag in die sogenannte Robinson­liste auszulösen und damit kundzutun, dass man weder per Telefon noch per Briefpost Werbung erhalten will. Bloss: Das kann jeder und jede selber machen, gratis und franko, dazu braucht es die SwissCall GmbH und ihr 99-Franken-­Angebot nicht.

Eine Garantie gibt es nicht

Kunden könnten sich, wenn sie trotzdem weiterhin Werbe­anrufe erhielten, bei SwissCall melden, sagt Patrick Dütschler, Gesellschafter und Geschäftsführer von SwissCall GmbH. Letzten Monat habe es 400 solcher ­Beschwerden gegeben. Dann interveniere seine Firma direkt bei den fehlbaren Unternehmen. «Weil wir wissen, an wen wir uns wenden müssen, ist das wirksamer, als wenn es die Leute selber tun», sagt Dütschler. Dass es nützt, kann er aber nicht garantieren.

Dütschler weiss, wovon er spricht. Seine SwissCall GmbH betreibt selber ein Callcenter und hat sich laut Eigenwerbung auf das «Outbound-Telefonmarketing» spezialisiert, auf gut Deutsch also: auf Werbeanrufe. Die Firma tritt auch unter dem Namen Datacom auf.

Zusammengefasst: Eine Firma, die von Werbeanrufen lebt, macht Werbeanrufe, um Kunden künftig vor Werbeanrufen zu schützen. «Das kann durchaus als Widerspruch aufgefasst werden», räumt Dütschler ein. SwissCall werde aber in den nächsten Tagen alle Telefonmarketing-Aufträge aufgeben und sich rein auf das Werbesperre-Angebot konzentrieren.

Immerhin: Wer sich, wie Margaretha Strausak, vom Werbestopp-Werbeanruf überrumpelt fühlt, kann innert 14 Tagen vom teuren Vertrag zurücktreten. Dütschler: «Wir wollen nur zufriedene Kunden.»