Ein Sixpack in nur einem Monat! Weniger Fett, mehr Muskeln! Wer mitten in der Badi-Saison solche Versprechungen liest, schlägt die Warnung in den Wind, die jeder Primarschüler kennt: Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es in der Regel nicht wahr.

Doch die Werbung für «Mighty Raspberry Ketone» und «Solpria Cleanse» sieht doch irgendwie vertrauenswürdig aus – auf den allerersten Blick. Denn die Verfasser des PR-Textes mit viel zu vielen Superlativen haben sich etwas besonders Fieses einfallen lassen: Sie verweisen auf das inter­nationale und seriöse Magazin «Men’s Health». Einziger winziger Unterschied: Im Logo der gefälschten Seite fehlt der Apos­troph. Es heisst «Mens Health» statt «Men’s Health».

Aber wen kümmert ein Apostroph, wenn der Traumkörper nur einen Monat und eine Kreditkartenzahlung entfernt ist? Zudem verweist die Werbung auf Partner wie BBC, «FHM», «GQ» – und auch auf Beobachter.ch. Peter Schneider, Leiter der Online-Ausgabe der deutschen «Men’s Health», sagt, täglich fielen zwei, drei Leser im deutschsprachigen Raum auf die Werbung herein und meldeten sich bei der Redaktion. Die Dunkelziffer derjenigen, die die angeblichen Wundermittel «gratis, nur für die Versandkosten» bestellen, dürfte weit höher liegen.

Früchte für Muskeln? Wohl kaum. Weder Beobachter.ch noch «Men’s Health» empfehlen das.

Quelle: Thinkstock Kollektion
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Streu-Mails für Potenzmittel

Gegen den Lügenwerber vorzugehen ist nicht einfach. Die Seiten liegen auf einem Server in Panama, Betreiber unbekannt. Für die Version mit dem Beobachter.ch-Bezug, die nur auf mobilen Geräten auftaucht, wird vermutlich eine Schwachstelle bei Facebook genutzt, sagt Experte Thomas Hutter.

Der Betrug ist, von Wunderversprechen und haarigem Deutsch abgesehen, technisch gut gemacht: Klickt man auf «Food», führt der Link auf die «Food»-Sektion der echten «Men’s Health»-Internetseite.

«Men’s Health» werde von Schwindlern öfter als Marke benutzt, sagt Peter Schneider. Internetbetrüger würden damit versuchen, dem vorwiegend männlichen Publikum Viagra und andere Potenzmittel anzudrehen. Also informiert die Redaktion ihre Leser regelmässig über weitere Streu-Mails von Bauernfängern. Aber es ist wie überall im Leben: Die Bösen sind den Guten einen Schritt voraus.

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