Dominik Albada (Name geändert) überprüft hoffnungsvoll seine Mailbox auf einer Online-Kontaktplattform. Eine 24-jährige Janet hat ihm geschrieben. Der Mittvierziger antwortet – ein Mailwechsel entsteht. Bereits nach wenigen Mails scheint er das Vertrauen der Schönen gewonnen zu haben, die auf einem beigefügten Foto neckisch über die Schulter lächelt. Im Bürgerkrieg sei sie verwaist, schreibt sie – und will Albada ihr millionenschweres Erbe anvertrauen. Nun müsse dieses ausser Landes geschafft werden. Doch zuerst solle ihr Albada Geld für eine Reise in die Schweiz überweisen.

«Das kam mir seltsam vor», meint Albada. Er lehnte dankend ab. Zu Recht, wie die Beobachter-Berater wissen. Das romantische Märchen ist die neuste Masche von Spam-Betrügern.

«Westafrikanische Betrügerbriefe werden immer noch in rauen Mengen verschickt», bestätigt Marc Henauer vom Bundesamt für Polizei. Dabei bedienen sich die Täter unterschiedlicher Aufhänger: Da sucht sich etwa der Nachfahre eines Diktators ein Konto im Ausland zwecks Geldtransfers, oder man ist überraschend Lotteriegewinner geworden. Das Ziel ist immer das gleiche: finanzielle Vorschüsse für erfundene Gegenleistungen zu ergaunern, wie beispielsweise für angebliche Freigabe-, Anwalts- und Überweisungsgebühren. Die Betrüger versuchen auch, an persönliche Daten, Unterschriften und Dokumente zu kommen. Bei der Masche «Janet» wiederholt sich dieses Schema – neu ist nur der Köder.

Infos unter www.stoppbetrug.ch