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Online-HandelSchweizer werden weiterhin abgezockt

Schweizer Kunden zahlen im Onlinehandel fast immer drauf. Der Bundesrat könnte das ändern, lässt sich aber Zeit.

Beim Online-Shopping zahlen Schweizerinnen und Schweizer oft viel mehr als ausländische Kunden.
von aktualisiert am 01. Februar 2018

Der Mantel aus Kunstfell von Zara kostet online 79.95 Euro. Schweizer Kunden müssen viel mehr zahlen: 129 Franken. Gemäss Umrechnungskurs wären es eigentlich rund 93 Franken. Wer von der Schweiz aus auf Zara.com zugreift, wird automatisch auf Zara.com/ch weitergeleitet. 

Das Verfahren nennt sich Geoblocking. Die EU hat es verboten. Bis im September müssen EU-Onlinehändler länderspezifische Beschränkungen aufheben.

Wenn die EU Geoblocking verbietet, werde die Schweiz nachziehen: Das verkündete der Bundesrat vor eineinhalb Jahren in seiner Antwort auf einen Vorstoss der CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (BL). Eilig scheint er es dabei nicht zu haben: «Da die Schweiz nicht Teil des europäischen Binnenmarktes ist, ändert sich durch die neue Regulierung in der EU für Schweizer Abnehmer vorerst nichts», heisst es aus dem Wirtschaftsdepartement. Der Bundesrat verfolge jedoch die Arbeiten der EU zum digitalen Binnenmarkt mit grosser Aufmerksamkeit und evaluiere laufend den Handlungsbedarf.

Einkauf ohne Diskriminierung

Der Bundesrat evaluiert, Schweizer zahlen drauf. Nicht nur Private, auch Firmen. Wie die «Handelszeitung» publik machte, verlangt etwa die deutsche Kaiser + Kraft für einen Paletthubwagen von Schweizer Kunden einen Zuschlag von satten 76 Prozent (Artikel online nicht verfügbar).

Druck kommt jetzt durch die Fair-Preis-Initiative. Sie verlangt, dass «der diskriminierungsfreie Einkauf im Onlinehandel grundsätzlich zu gewährleisten» sei. Ende Januar ist die Initiative mit der nötigen Unterschriftenzahl zustande gekommen. Innert zwölf Monaten muss der Bundesrat eine Botschaft ausarbeiten. Falls er die Ablehnung empfiehlt und einen Gegenvorschlag macht, darf er sich zusätzliche sechs Monate Zeit nehmen.

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Raphael Brunner, Online-Redaktor

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