Auf mehreren Internetseiten wird ein Zürcher Fernheiler, über den der Beobachter schon zweimal kritisch berichtet hat, in den höchsten Tönen gelobt: «Der Privatier Alberto Mattle ist ein gutes Beispiel dafür, dass Fleiss, Zielgerichtetheit und auch eine gute Portion Instinkt dazu führen können, dass jemand eine überdurchschnittliche Karriere macht», heisst es etwa. Mattle habe in Oxford studiert («das kann als Meilenstein seiner Karriere gewertet werden»), habe zwei Jahre im Vorstand einer börsenkotierten deutschen Technologiefirma gearbeitet. Kurz: «Dr. Mattle kennt die Werte zum Erfolg», und deshalb sei er auch im Ruhestand «nach wie vor mit seinem Wissen als Berater tätig», so die angeblich von der Privatbank Sal. Oppenheim stammende Lobeshymne.

Einen Doktortitel hat Mattle nicht

Ausser dem Namen und dem Wohnort Grünwald – einem teuren Vorort von München – stimmt an der Hymne nicht viel. ­Einen Doktortitel hat Mattle nicht, und in welcher deutschen Konzernleitung er angeblich arbeitete, verrät er nicht – in Archiven findet sich dazu nichts. Vor allem aber sagt die Bank Sal. Oppenheim: «Das im ­Internet kursierende Gerücht, Herr Mattle sei für uns als Berater tätig, entbehrt jeder Grundlage», so Pressechefin Pia Kater. Das Bankhaus habe die Löschung der Einträge verlangt und die Polizei kontaktiert.

Was hat der 50-jährige Fernheiler von dieser Angeberei, und warum hat er sich gerade die Bank Oppenheim dafür ausgesucht? Mattle selbst äusserte sich bis Redaktionsschluss nicht zu den Fragen des Beobachters. Ein Informant aus seinem privaten Umfeld sagt, Mattle wolle damit sein Negativ-Image im Internet korrigieren, wo zunehmend kritische Kommentare über seine Fernheilerei kursieren. Und er habe sich dazu seine Hausbank ausgesucht. Sal. Oppenheim dementiert allerdings eine Kundenbeziehung zu Mattle.

Anzeige

So oder so hat Mattle eher aufs falsche Pferd gesetzt. Sal. Oppenheim war zwar einst Europas grösste Privatbank, musste aber 2009 nach Fehlspekulationen und Milliardenverlusten notfallmässig der Deutschen Bank verkauft werden. Vier frühere Verantwortliche müssen sich wegen schwerer Veruntreuung vor Gericht verantworten, der Personalbestand wurde um drei Viertel reduziert.

Wenn schon nicht als Berater, so ist Mattle weiterhin von seiner Zürcher Büroadresse aus als Fernheiler tätig. Sogar mehr denn je, wenn man den von Mattle selbst ins Internet gestellten Erfolgsmeldungen glauben würde. Mattles «Institut für Parapsychologie und Metaphysik» habe «erneut die höchste Erfolgsquote in Hinsicht auf die Partnerrückführung zu verzeichnen», heisst es da. In über 90 Prozent der Fälle hälfen ihm «mediale, metaphysische Kräfte», ein getrenntes Paar wieder zusammenzuführen – selbst wenn der eine Partner gar nichts davon weiss, dass Mattle für die Wiedervereinigung meditiert.

Anzeige

Mitglied eines Registers, das es nicht gibt

Diese Methoden gehen selbst Parapsychologieanhängern zu weit. «Solche Angebote missbilligen wir, das würde kein seriöses Medium tun», sagt Rolf Nick von der Schweizer Parapsychologischen Gesellschaft (SPG). Allerdings darf bezweifelt werden, ob Mattle überhaupt tut, was er zu tun verspricht. Ein Insider aus Mattles Bekanntenkreis sagt: «Sobald ein Auftrag zur Fernheilung eingegangen ist, macht Mattle gar nichts mehr» – er kassiere nur noch.

Um seine Seriosität zu unterstreichen, verweist Mattle darauf, er sei «seit 1981 im Europäischen Berufsregister der Parapsychologie und Metaphysik mit Diplom eingetragen». Doch selbst Fachleute staunen ob des angeblichen Registers. «Wir kennen niemanden, der über dieses Berufsregister Bescheid weiss», sagt SPG-Vorstandsmitglied Rolf Nick. Mattle ist der Einzige, der sich damit schmückt.

Anzeige