Eigentlich wollte Daniel Hertig* aus Heiligenschwendi nur sein Auto verkaufen. Doch dann prasselte aus heiterem Himmel die halbe Weltpolitik aufs beschauliche Bernbiet nieder: Auf Hertigs Inserat meldete sich per E-Mail ein «Captain Paul», der für die Uno im Irak «Krieg gegen den Terrorismus» führe. In seinem Weltbild tut der Mann also Gutes, doch möchte er noch Besseres tun. «Auf Lager Fisch investieren aus Norwegen», offenbart der Amerikaner in bestem Übersetzungsmaschinen-Deutsch seine Pläne. Satte 29,8 Millionen Dollar in bar – «von Rohöl Geschäft gemacht» – stünden ihm für Wohltätiges zur Verfügung, damit irakische und sudanesische Flüchtlinge in der Türkei etwas zu essen bekämen, «instead investieren sie in Kauf Waffen aus Russland».

Oft geht es um Geldwäscherei

Man muss nicht alles verstehen, was Captain Paul so umtreibt. Aber eines verstand Daniel Hertig sehr wohl: Ein Viertel der knapp 30 Millionen Dollar sollte ihm gehören, wenn er sich als Gewährsperson für den Transfer des Geldes in die USA zur Verfügung stellen würde. Das Verkaufsinserat auf einer gesicherten Auto-Website sei ihm Beweis genug, so beteuerte der Captain, dass der Mann aus Heiligenschwendi real sei und er ihm vertrauen könne.

Auf weitere Kontaktnahme mit dem unbekannten Soldaten verzichtete Daniel Hertig trotzdem. Denn Pauls Avance ist ein sogenannter Rip-Deal (von englisch «to rip», entreissen). Bei dieser Form des Geldwechselbetrugs melden sich angebliche Kaufinteressenten bei inserierenden Privatpersonen und versuchen, diese in ein Geschäft mit enormen Bargeldsummen zu verwickeln. Es lockt ein hoher Gewinn für eine angeblich harmlose Transaktion – in Tat und Wahrheit handelt es sich aber oft um Geldwäscherei.

Rip-Deals sind nichts Neues, doch verbergen sie sich hinter immer phantasievolleren Geschichten. Der Rat an alle, die von Captain Paul und Konsorten auf diese Art kontaktiert werden, bleibt indes immer der gleiche: Hände weg.