Rudolf Eigenheer aus Rheinau ZH wunderte sich über den Brief mit dem aufgedruckten Absender «Amt für Eigentum und Umverteilung». Daneben prangte eine stilisierte Helvetia. Ein staatliches Schreiben also? «Von einem solchen Amt ­hatte ich noch nie gehört», sagt Eigenheer. Als er das Couvert öffnete, wurde klar: Es handelte sich um einen Bettelbrief von Swissaid. Das Hilfswerk will auf die Situation von Frauen im Tschad aufmerksam machen, die weder lesen noch schreiben können. «Dem Mailing liegt ein Brief bei, dessen Schrift unscharf und nicht entzifferbar ist», sagt Jon Andrea Florin, Leiter Information und Fundraising bei Swissaid. «Der Empfänger soll sich so in die Ängste einer Frau im Tschad einfühlen können, die auf einem Amt ein Dokument unterzeichnen muss, ohne dass sie weiss, was darin steht.»

Eigenheer ist nicht der Einzige, den die vermeintlich staatliche Sendung befremdet. Auch bei der Stiftung für Konsumentenschutz und der Zewo (Schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Spenden sammelnde Organisationen) haben sich irritierte Empfänger gemeldet. «Die Zewo hat sich unser Mailing angesehen und nicht beanstandet. Im Begleitbrief schreiben wir ausdrücklich, dass es sich um ein frei erfundenes Amt handelt», sagt Florin.

«Leute könnten getäuscht werden»

Aus seiner Sicht brauche es doch ­einiges, um all diese Hinweise auf den fiktiven Charakter des Amtes und das eigentliche Anliegen der Aktion zu übersehen, meint Florin.

Adressat Eigenheer ist nicht überzeugt. «Gerade ältere Leute könnten getäuscht werden. Ich würde mir wünschen, dass Swissaid andere Mittel einsetzen würde, um Aufmerksamkeit zu erzeugen», sagt er.