«Lassen Sie Ihren Gutschein nicht verfallen, es wäre schade darum.» Das Angebot scheint in der Tat reizvoll: «traumhafte Schnupperferien», zum Beispiel in der «einzigartigen Oase Miraflores im südlichsten Teil Spaniens». Und es tönt vertrauenerweckend: «Bereits bezahlt sind 14 Übernachtungen für zwei Personen an der Costa del Sol oder im Salzburger Land.»

So ohne weiteres gibts den Gewinngutschein jedoch nicht. Die Absender, Club Touristik GmbH in Olten oder Viva Tours im deutschen Jestetten, möchten ihn den überraschten Gewinnerinnen und Gewinnern persönlich überreichen und bitten sie gleichzeitig darum, «zwei bis drei Stunden einzuplanen» für die Präsentation «interessanter weltweiter Ferienangebote».

Jene, die sich entschliessen, nach Olten oder Jestetten zu fahren, werden erwartet von versierten Verkaufsleuten, die nur ein Ziel haben: die Gewinner zu einem Time-Sharing-Vertrag zu überreden.

Time-Sharing ist ein Teilzeit-Wohnrecht. Man erwirbt damit das Recht, eine vollständig ausgestattete Ferienwohnung jedes Jahr während einer bestimmten Zeit zu bewohnen. Der Preis wird im Voraus bezahlt. Er beträgt je nach Ort, Ausstattung und Grösse der Anlage und der Wohnung sowie je nach Saison zwischen 10'000 und 50'000 Franken. Die Verträge gelten für 20, 30 und mehr Jahre.

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In Olten oder Jestetten loben die geschulten Verkaufsleute Time-Sharing in den höchsten Tönen, hartnäckig und gegen jeden Einwand gewappnet. Dabei sprechen sie kaum vom hohen Kaufpreis, umso ausführlicher dagegen von den vielen (angeblichen) Vorzügen von Time-Sharing. Doch wie verhält es sich in Wirklichkeit?

Hohe jährliche Nebenkosten

Die Werbung behauptet: «Mit dem Kaufpreis haben Sie Ihre Ferien auf Jahre hinaus im Voraus bezahlt.» Falsch. Erstens ist bloss die Übernachtung im Voraus bezahlt; was viel stärker ins Feriengeld geht – Anreise, Verpflegung, Ausgaben für Vergnügungen –, muss selbstverständlich extra berappt werden. Zweitens: Jährlich fallen Nebenkosten von 200 bis 500 Franken an für Unterhalt und Verwaltung. Da sie in den Verträgen nicht fixiert sind, steigen sie zudem jedes Jahr. Auch sind sie selbst dann zu bezahlen, wenn man woanders Ferien macht. Sonst verfällt das Wohnrecht.

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«Time-Sharing ist eine gute Kapitalanlage, denn man kann das Wohnrecht jederzeit verkaufen», verspricht die Werbung. «Schlicht unwahr», kommentiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn für Time-Sharing gibts keinen Markt. Wer hofft, sein Wohnrecht später zu einem guten Preis wieder loszuwerden, findet praktisch keinen Interessenten.

«Mit Time-Sharing sichern Sie sich langfristig eine Ferienwohnung in einer exklusiven Anlage an einem attraktiven Standort.» Die Wahrheit: Die Verträge haben Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten. Niemand kann auf solch lange Zeit hinaus garantieren, dass eine Ferienanlage exklusiv, ein Ferienort schön bleibt.

«Supergünstig» sei Time-Sharing, werben die Verkaufsleute. Die Wahrheit formuliert die deutsche Stiftung Warentest: «Time-Sharing ist teurer als eine vergleichbare Pauschalreise.»

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Die Werbung: «Sie werden Miteigentümer der Ferienanlage.» Und auch im Vertrag ist der Grundbucheintrag festgehalten. «Eine drastische Lüge», kommentiert Wolfgang Sommerfeldt von der Deutschen und Schweizerischen Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz in Waldshut. Die Wohnrechte würden nie im Grundbuch eingetragen. Mit Time-Sharing kaufe man bloss ein Wohnrecht und nicht Grundeigentum.

Die Vorstellung, jahrelang immer am gleichen Ort die Ferien zu verbringen, ist nicht verlockend. Deshalb verspricht die Werbung: «Sie können Ihr Wohnrecht jederzeit problemlos tauschen, zum Beispiel eine Ferienwoche in Teneriffa gegen eine Woche in Florida.» Die Wahrheit: Das Tauschen funktioniert in der Praxis nicht, weil zu viele Bedingungen erfüllt sein müssen (gleiche Qualität und Grösse des Objekts, gleiche Saisonkategorie). Ausserdem kostet das: 150 Franken jährlich allein für die Mitgliedschaft im Tauschklub, 150 bis 300 Franken für jede getauschte Woche und nochmals 500 bis 600 Franken, wenns mit Qualität und Zeit nicht genau aufgeht.

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Nur noch nichts wie weg

Genau genommen stimmt also kein Werbeargument. Dennoch erliegen selbst kritische Konsumentinnen und Konsumenten den geschulten Verkäufern, weil sie nach drei, vier Stunden aggressiven Verkaufsgesprächs einfach nur noch wegwollen.

Da bleibt nur eins: gar nicht nach Olten oder Jestetten reisen. Und der Feriengutschein? Die 14 Übernachtungen kann man zwar einlösen. Aber man ist «verpflichtet, an einer Führung durch die Ferienanlage teilzunehmen sowie bei einem Testgespräch und Fragebogen mitzuwirken», wie es im Kleingedruckten heisst.

Im Klartext: Man wird am Ferienort erneut in die Mangel genommen. Und für Anreise, Verpflegung und eine Kaution muss man ohnehin ins Portemonnaie greifen. Somit ist es überhaupt nicht schade, den Gutschein verfallen zu lassen.

Schutzgmeinschaft für Auslandsgrundbesitz - unabhängiger Verbraucherschutz-Verband gegen Abzocker, Fiskus und Dunkelmänner: www.schutzgemeinschaft-ev.de

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