Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United oder Arsenal – viele der beliebtesten Fussball-Mannschaften der Welt spielen in Spanien oder England um die Meisterschaft. Dementsprechend hoch ist das Interesse an den Spielen dieser Klubs. Bisher konnte der Schweizer Fan die Partien seiner Lieblingsmannschaft über Teleclub verfolgen. Das war allerdings ein teures Hobby: Wer das Sportpaket von Teleclub nutzen will, bezahlt monatlich mindestens 42.80 Franken (Swisscom TV) oder sogar noch mehr (bspw. CHF 48.80 bei Sunrise und Cablecom) – zusätzlich zur Grundgebühr seines TV-Anbieters.

Der Teleclub-Vertrag läuft jeweils für 12 Monate, kann allerdings nach dem ersten Jahr drei Monate im Voraus schriftlich gekündigt werden. Das heisst: Wer jetzt aus dem Vertrag aussteigt, bezahlt die Gebühr noch während dreier Monate.

Neu kommt das Netflix für Fussballspiele

Nun aber hat Teleclub still und heimlich die Übertragungsrechte an der spanischen und englischen Topliga verloren – per sofort. Und der Kunde erfährt es lediglich durch einen versteckten Hinweis auf der Teleclub-Homepage. Der Grund: Das englische Medienunternehmen Perform Group, das unter anderem die Newsplattform spox.com sowie das Datenportal Opta betreibt, hat sich die exklusiven Rechte für die deutschsprachige Schweiz, Deutschland und Österreich gesichert. Bei der Auktion sind die bekannten Bezahlsender Sky und Teleclub vom neuen Konkurrenten überrumpelt worden.

Auf der Seite des neu gestarteten Streamingdienstes «Dazn» (www.dazn.ch) kann der Kunde ab sofort für den Preis von monatlich CHF 12.90 die Spiele dieser beiden Ligen sowie zahlreiche weitere Sportveranstaltungen streamen – auf dem Fernseher, dem Tablet oder dem Handy. Zudem erlaubt der Anbieter, den Account unter zwei Personen aufzuteilen. Und wie beim erfolgreichen TV-Streamingdienst Netflix ist es möglich, nach jedem Monat wieder auszusteigen.

Eine Teleclub-Sprecherin betonte auf Anfrage des Beobachters, dass man noch in Verhandlungen stehe über eine Erneuerung dieser Ausstrahlungsrechte: «Wir wissen ehrlich gesagt noch nicht, ob und wann wir diese Spiele wieder zeigen können.» An den Abo-Preisen ändere sich aber nichts: «Wir weisen in unseren AGB darauf hin, dass sich unser Portfolio laufend verändern kann.» Wortwörtlich steht dort geschrieben: «Teleclub behält sich das Recht vor, das Programmangebot zu ergänzen, zu erweitern oder in sonstiger Weise zu verändern.»

Die Sprecherin betont ausserdem, dass es nicht möglich sei, aufgrund solcher Anpassungen per sofort aus dem laufenden Vertrag auszusteigen. Dazu bedarf es einer «Änderung des Gesamtcharakters des abonnierten Programmangebots», wie Teleclub in seinen AGB festhält.

Sofortiger Ausstieg «nicht möglich»

Ob das in diesem Fall vorliegt, müsste wohl ein Gericht entscheiden, sagt Davor Smokvina, Experte im Fachbereich Konsum am Beobachter-Beratungszentrum. «Es ist fraglich, ob die Argumentation von Teleclub vor dem Richter standhalten könnte.» Denn grundsätzlich habe jeder das Recht, bei einer einseitigen Vertragsänderung von einem Vertrag zurücktreten – das gelte sowohl für Änderungen am Vertrag selbst wie auch in den AGB. «Teleclub ändert nun seinen Vertragsinhalt,» sagt Smokvina, «hier wird eine Hauptleistung eingeschränkt.»

Es wird zahlreiche Kunden geben, die das Teleclub-Abo gebucht haben, um vor allem die spanische oder englische Liga verfolgen zu können. Diesen Fans bleibt nun die Wahl: Entweder sie bleiben Teleclub treu und begnügen sich mit anderen Ligen wie zum Beispiel der deutschen Bundesliga – oder sie kündigen das Teleclub-Abo und wechseln den Anbieter. Jene Kunden, die nicht mehr zufrieden sind, sollten so bald wie möglich aktiv werden und ihr Kündigungsschreiben an Teleclub senden. Geschieht das noch im August, ist das Abo per Ende November aufgelöst.

Davor Smokvina.

Quelle: Nick Potts/Keystone
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