Warum verrechnet Orange Zusatzgebühren, sobald jemand mehr als 3000 SMS verschickt, wenn das Abo «unlimited» heisst, also Unbegrenztheit verspricht? Weshalb darf Sunrise alle Verträge fristlos kündigen, obwohl der Kunde die Rechnungen pünktlich zahlt – bloss weil der Telekomanbieter «Zweifel an der Zahlungsfähigkeit» des Kunden hat? Und warum bleibt ein Swisscom-Kunde an seinen Vertrag gebunden, selbst wenn Swisscom die Preise erhöht oder den Umfang der Dienstleistung einschränkt?

All die konsumentenfeind­lichen Bestimmungen legten die Telekomanbieter in ihren jeweiligen allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) fest. Diesen Ungerechtigkeiten will die Allianz der Konsumentenschutzorganisationen nun einen Riegel schieben. In einer gemeinsamen Aktion mit dem Beobachter mahnen sie Swisscom, Sunrise und Orange ab und fordern sie auf, die stos­sendsten Klauseln rasch aus ihren AGB zu streichen. «Wenn die Anbieter nicht einlenken, sind wir bereit, gegen sie zu klagen», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

Kunden haben weniger Rechte

Basis dafür bietet das Gesetz gegen den unlauteren Wett­bewerb. Seit Mitte 2012 gelten AGB-Klauseln als missbräuchlich, wenn sie die Konsumenten erheblich und ungerechtfertigt benachteiligen. Stos­send ist etwa, dass alle drei grossen Telekomanbieter in ihren AGB eine lange Liste von Gründen aufzählen, weshalb sie die Verträge kündigen dürfen, oft frist- und entschädigungslos. Dem Kunden bleibt das gleiche Recht indes verwehrt – selbst wenn er dazu guten Grund ­hätte, etwa weil es an seinem Wohn- oder Arbeitsort keine Netzabdeckung mehr gibt oder weil er ins Ausland zieht. «Es muss endlich Schluss sein mit dem enormen Ungleichgewicht. Es darf nicht länger sein, dass die Konsumenten am kürzeren Hebel sitzen. Wir setzen alles daran, das zu ändern», sagt Sara Stalder.

Bereits im Sommer 2012 ­haben der Beobachter und die Allianz der Konsumenten­verbände SKS, FRC und ACSI eine Reihe missbräuchlicher AGB-Klauseln angeprangert (Beobachter Nr. 13/2012). «Weil sich seither nicht viel verbessert hat, ist es Zeit, einen Schritt weiter zu gehen», begründet Chefredaktor Andres Büchi, warum der Beobachter das Vorgehen der Konsumentenschützer aktiv unterstützt.

Am Zug sind jetzt die Telekomanbieter: Sie haben bis ­Ende Februar Zeit, auf die Forderungen zu reagieren.