Die Charterflüge zu den Kanarischen Inseln sind in diesen Tagen wieder voll besetzt. Das freut vor allem auch Time-Sharing-Firmen, die Jagd auf ahnungslose Touristinnen und Touristen machen. Ködern, weich klopfen und dann knallhart kassieren das sind die Methoden, mit denen speziell geschulte Agenten zeitlich begrenzte Wohnrechte in Ferienanlagen zu stark überhöhten Preisen verkaufen.

Diesem unseriösen Treiben will die Europäische Union mit einem gesetzlich verankerten Rücktrittsrecht den Riegel schieben (siehe Artikelin Beobachter 20/99). Doch bereits nützen die schwarzen Schafe der Time-Sharing-Branche schamlos dessen Schlupflöcher aus: Die einen Anbieter verlegen ihre Aktivitäten in die Schweiz, die andern ändern einfach die Verträge ab.

In der Regel wird das Wohnrecht in einer Ferienanlage für eine längere Dauer erworben. Seit kurzem werden jedoch auch Verträge für 30 bis 35 Monate abgeschlossen. Der Grund: Das neue Gesetz gilt erst ab einer Dauer von drei Jahren.

Ködern, weich klopfen, kassieren

Involviert sind auch Schweizer Firmen. Das zeigt das Beispiel eines Ehepaars, das auf Gran Canaria auf den uralten Trick mit dem «Glückslos» hereinfiel. Als Gewinn lockte ein Aufenthalt in einem Appartement der Apart Holidays in Morschach SZ. Voraussetzung war jedoch der Besuch einer mehrstündigen Informationsshow.

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Was an solchen Verkaufsveranstaltungen passiert, hat ein Agent kürzlich dem Konsumentenmagazin «K-Tip» geschildert: «Wir wurden darin geschult, den Leuten einen Vertrag aufzuschnorren.»

Das Ehepaar verliess die Veranstaltung mit einem unterschriebenen Vertrag der Siag Immobilien Handels AG in Zug allerdings ohne die gewünschte Anzahlung zu leisten. Denn das Paar stutzte, als es angewiesen wurde, 7200 Mark auf ein deutsches Konto einzuzahlen.

Die beiden kündigten den Vertrag am nächsten Tag mündlich und nach der Rückkehr in die Schweiz auch noch schriftlich. Doch die Siag beharrte auf der Bezahlung und drohte gar mit rechtlichen Schritten. Die Begründung: Das Rücktrittsrecht gelte für den auf 30 Monate begrenzten Vertrag nicht.

Die Apart Holidays distanziert sich vom dubiosen Deal. Gegenüber dem Beobachter erklärt die Tourismusfirma, kein Time-Sharing zu betreiben und die Siag AG nicht zu kennen. «Wie diese Firma zu unseren Gutscheinen kommt, ist für uns fragwürdig.» Für Wolfgang Sommerfeldt von der deutsch-schweizerischen Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz in Waldshut jedoch ist «die Absicht, das Gesetz zu umgehen, offensichtlich».

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Wer hereingelegt wurde, kann die Zahlung mit Berufung auf Täuschung verweigern, was jedoch ein gewisses Prozessrisiko birgt. Deshalb: Time-Sharing-Verträge am besten gar nicht erst unterschreiben.