Warum eine teure Ferienwohnung kaufen, wenn man sie nur ein paar Wochen im Jahr nutzt? Die Idee, Urlaubsunterkünfte wochenweise zu verkaufen, nennt sich Time-Sharing. Auf den ersten Blick erscheint das Modell sinnvoll, doch die meisten Angebote sind viel zu teuer. Statt der Urlauber profitieren denn auch vor allem die aggressiv werbenden Verkaufs- und Vermittlerfirmen.

Horden von Agenten machen an den Strandpromenaden der Kanarischen Inseln seit Jahren Jagd auf flanierende Paare. Der alte Trick mit Losen und Gutscheinen zieht immer, wenn es heisst: «Sie haben gewonnen.» Die «Gewinner» sitzen kurz darauf mit einem geschulten Verkaufsprofi in lockerer Atmosphäre bei einem Glas Sekt. Dieser schwärmt von wunderbaren Ferienanlagen, in denen Time-Sharing-Kunden ihren Urlaub verbringen können.

Unseriöse Lockvogelangebote
Bevor die meisten Touristen wissen, wie ihnen geschieht, haben sie einen Vertrag für den Kauf von Wohnrechtsanteilen unterschrieben – oft in einer Sprache, die sie kaum verstehen. Rasch ist auch die Kreditkarte gezückt und eine Anzahlung von einigen tausend Franken geleistet. Wer will denn nicht von einem «nur heute gültigen Sonderpreis» oder der «speziellen Bonuswoche» profitieren?

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Diesem unseriösen Treiben versucht die Europäische Union einen Riegel zu schieben: Sie verpflichtet ihre Mitgliedsländer zur Einführung eines Time-Sharing-Gesetzes. Seit Anfang Jahr hat auch Spanien diese Vorschrift übernommen. Ein zehntägiges Rücktrittsrecht schützt die Käufer vor unüberlegten Unterschriften. Anzahlungen dürfen vor Ablauf dieser Frist nicht einkassiert werden. Die Kunden sind zudem ausdrücklich und nachweisbar auf diese Rechte hinzuweisen.

Ein schwerer Schlag für dubiose Firmen, die aufs schnelle Geld aus sind. Doch sie fanden rasch einen alternativen lukrativen Tummelplatz: die Schweiz. Hier weist sie kein Gesetz in die Schranken. Für eine verschärfte Kontrolle sind erst vage Ansätze auszumachen. Der Schwyzer Ständerat Bruno Frick hat den Bundesrat vor einem Jahr per Postulat aufgefordert, gesetzliche Massnahmen bei Time-Sharing-Geschäften zu prüfen.

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Die bekanntesten Vermittlerfirmen in der Schweiz heissen Swiss Travel Touristik Club, GMI GmbH, Viva Touristik Center und Per-Te GmbH. Ihre Hintermänner sind Deutsche oder Österreicher. Mit Gratisferien und Gutscheinen locken sie ahnungslose Leute in ihre Büros.

«Eines Tages telefonierte uns die Angestellte eines Reisebüros», erzählt Vreni Niklaus (alle Namen geändert). «Wir hätten eine Reise nach Tunesien gewonnen, müssten jedoch den Gutschein sofort beim Reisebüro GMI in Diepoldsau abholen.» Sie weiss heute noch nicht, wieso sie und ihr Mann sich dermassen überrumpeln liessen. Nach zwei Stunden hatten die beiden den Vertrag für ein Teilzeitnutzungsrecht im Klub Oasis in Südspanien unterschrieben. Kostenpunkt: 11'000 Franken. Weil ihr Gesundheitszustand aber keine Reise nach Spanien mehr zulässt, wollten sie das Nutzungsrecht später gegen eine Wohnung in der Nähe der Schweiz eintauschen. Bis heute allerdings ohne Erfolg.

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Urs und Margrit Keller fielen auf den Gratisferientrick der Per-Te GmbH in Schlieren herein. Sie unterschrieben einen Vertrag für das Nutzungsrecht von einer Woche pro Jahr in der Klubanlage La Concha auf Lanzarote und zahlten 16'100 Franken auf das Konto eines Schweizer Treuhänders ein. Ihr Nutzungsrecht wurde mit einem «Membership Certificate» bestätigt. Trotzdem verbrachte Familie Keller ihre Ferien zu Hause. Denn die Per-Te reagierte nicht, als es darum ging, den Kellers eine zweite Ferienwoche und den Flug nach Lanzarote zu organisieren. Zudem war ihre Mitgliedschaft bei der Tauschorganisation Interval, entgegen den Vertragsbedingungen, nicht angemeldet. Dass der Kaufpreis zudem viel zu hoch war, hat Margot Keller inzwischen ebenfalls erfahren. Als sie die deutsche Geschäftsführerin in Lanzarote bat, ihren Anteil weiterzuverkaufen, erklärte diese, dass dabei «höchstens 5000 Franken» herausschauen würden.

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Ein Verlustgeschäft
Das Beispiel zeigt deutlich, dass die Behauptung der Verkaufsfirmen,Wohnrechte liessen sich spielend und gar mit grossem Gewinn weiterverkaufen, ins Reich der Fantasie gehört. Das musste auch Kurt Moser erfahren. Seit drei Jahren versucht er, sein Recht auf die einwöchige Nutzung eines Hauses im Sueno Azul Resort auf Teneriffa loszuwerden. 10'000 Franken hat er vor fünf Jahren dafür bezahlt. Als er beim ersten Besuch von der Lage der Siedlung enttäuscht war und sein Haus gar nicht beziehen konnte, war ihm die Lust an diesem Ferienort vergangen.

Moser realisierte zudem, dass das Pauschalarrangement eines Reiseveranstalters viel günstiger ist als eine individuelle Flugbuchung. «Und wenn ich zwei Wochen bleiben will», beklagt er sich, «muss ich Wohnrechte hinzumieten, was zusätzlich kostet.» Jedes Jahr, wenn die Rechnung von über 400 Franken für Verwaltungskosten eintrifft, ärgert sich Moser über seine Torheit. Falls er die Rechnung nicht bezahlt, droht die englische Managementgesellschaft, sein Nutzungsrecht zu blockieren.

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Der erfolglose Versuch, das Wohnrecht über die in Florida ansässige Firma Time Share World zu verkaufen, kostete Moser weitere 500 Franken. Den gleichen Betrag legte er für eine Vereinbarung mit der RfW Hamburg hin. Sie behauptet, dank Internet und internationalen Kontakten täglich Verkaufsgeschäfte abzuschliessen. Auch die englische Firma, bei der Moser sein Wohnrecht kaufte, nimmt dieses nicht gratis in ihre Verkaufliste auf: Falls es ihr gelingt, das Nutzungsrecht zu verkaufen, kassiert sie 25 Prozent des Erlöses.

Kurzfristige Stornierung möglich
Auf eine besonders raffinierte Methode der Club Touristik GmbH in Baden sind Hugo und Petra Hauser hereingefallen. Sie unterschrieben nebst dem Vertrag für den Erwerb eines Nutzungsrechts auch einen Vermittlungsauftrag. Dafür bezahlten sie mit der Eurocard 3400 Franken im Voraus. Drei Tage später kündigten Hausers beide Verträge und hofften auf Unterstützung durch die Firma Eurocard.

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Diese hatte nämlich nach Einführung der EU-Gesetzgebung versprochen, bei Time-Sharing-Verträgen Stornierungen innerhalb von zehn Tagen zu akzeptieren. Unklar bleibt jedoch, ob dies auch für Vermittlungsaufträge gilt. In der Schweiz sind Aufträge gemäss Gesetz jederzeit kündbar. Schadenersatz muss nur geleistet werden, wenn der Rücktritt zur Unzeit erfolgt. Deshalb verlangt die Club Touristik GmbH auch eine Vorauszahlung. Eurocard will jetzt die Beziehungen zu Time-Sharing-Firmen abbrechen und überprüfen, ob sie künftig bezahlte Vermittlungsgebühren storniert oder nicht.