Eine Woche in einem Fünfsternehotel an der türkischen Riviera, Flug inklusive, für 499 Franken – ein tolles Angebot, fanden Walter Studer und Brigitte Crevoiserat aus Schlattingen, als sie im Prospekt des Reisebüros Dähler blätterten. Sie buchten – mit einem Vorbehalt: Auf den zweitägigen Ausflug ins Landesinnere, der auf dem Programm stand, verzichteten sie. «Kein Problem», hiess es bei Dähler.

Am ersten Ferientag folgte die Überraschung: «Ihr müsst mit auf den Ausflug», befahl der türkische Reiseleiter. Als die beiden Thurgauer sich weigerten, drohte er mit einer «Nichtteilnahmegebühr» von 100 Euro pro Person. Aus Angst, als «Zechpreller dazustehen» oder gar im Land festgehalten zu werden, zahlte Studer – obwohl er nicht verpflichtet gewesen wäre.

Noch teurer wurde es für Leute, die an der Exkursion teilnahmen. Sie seien «mit einer Carladung Teppiche für 25000 Franken» zurückgekommen, erzählt Studer. Was Studer und Crevoiserat nicht wussten: Ihre Reise war so günstig, weil Händler vor Ort in einem Agreement mit dem Reisebüro einen Teil der Reisekosten übernahmen. Als Gegenleistung gehörte der Basarausflug zum Pflichtprogramm. Auch andere Reisebüros wie etwa Vögele Reisen haben solche Fahrten im Angebot.

Reisebürochef Franz Dähler hält die Ausflüge für unproblematisch. Es seien keine Werbefahrten: «Die Reisegäste kaufen keine Heizdecken, sie besuchen lokale Händler.» Anders sieht es Walter Kunz vom Schweizerischen Reisebüro-Verband: «Die Ausflüge müssen in den Prospekten klar als Verkaufsveranstaltungen deklariert werden.» Auch seien derartige Fahrten für die Branche mittelfristig nicht sinnvoll, da sie das Preisgefüge untergrüben. Kunz empfiehlt den beiden Thurgauern, beim Reisebüro die «Strafgebühr» zurückzuverlangen.

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