Schon in der Nacht nach der Verkaufsshow findet Peter Raboldt* keine Ruhe. Dass er auf einer Kaffeefahrt nach Lindau bei der Trio AG einen Kaufvertrag für zwei Magnetfeldmatten unterschrieben hat, ärgert ihn. «Alles ging so schnell, der Verkäufer lullte uns mit seinen Rabattversprechen regelrecht ein», erklärt er.

Weil er den ungewollten Kauf rückgängig machen will – es geht um 3000 Franken –, liest er am nächsten Morgen das Kleingedruckte. Zwar gibt es da einen Passus übers Widerrufsrecht, doch in fetten Buchstaben steht: «Ausgeschlossen vom Widerrufsrecht sind Messeartikel und stark ermässigte Sonderpreis-Artikel!» Oben bei der Artikelbeschreibung hat der Verkäufer von Hand «Messepreis» hingeschrieben. Bedeutet das jetzt: Er muss zahlen?

Formulierung ist irreführend

Nein. Diese Hinweise sind irreführend. Es gibt bei Messe­käufen zwar tatsächlich kein Rücktrittsrecht, doch Peter Raboldt hat an einer Verkaufsveranstaltung unterzeichnet. Wenn die Trio AG dort ­Waren zu «Messepreisen» verkauft, heisst das nicht, dass ­das gesetzliche Widerrufsrecht nicht mehr gilt: Konsumenten können innert 14 Tagen vom Vertrag zurücktreten, unabhängig davon, ob die Ware speziell vergünstigt ist.

«Die Trio AG will die Leute mit diesem Worttrick wohl ­davon abhalten, den dummen Kauf rückgängig zu machen», so Raboldt. Er liess sich nicht verwirren: Als der Chauffeur die 3000 Franken abholen wollte, gab er ihm die Matten zurück und schickte seinen Widerruf nach Glattbrugg. Zum Vorwurf der Täuschung hat die Trio AG bisher keine Stellung genommen.

Merkblatt «Rücktritt oder Umtausch beim Kauf» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Der Irrtum, es gebe ein Recht auf Umtausch, ist weit verbreitet. Doch es gibt Ausnahmen. Mitglieder von Guider erfahren im Merkblatt «Rücktritt oder Umtausch beim Kauf», welche das sind und wie sie mit dem Verkaufspersonal vereinbaren können, einen gekauften Gegenstand später zurückzugeben.