Über 60000 Briefe wurden im Kanton Zürich verschickt, etwa 6000 im Thurgau und Tausende in der Innerschweiz per Hand geschrieben von Mitarbeiterinnen des ukrainischen Hilfswerks «Weg zur Rettung», einer Partnerorganisation von SOS International. Beigelegt sind Mitleid erregende Fotos, Informationsblätter und Einzahlungsscheine.

Gebeten wird um Spenden für Medikamente und Operationen (siehe Beobachter 10/01, 11/00, 24/99). Der Erfolg blieb nicht aus: «Wir haben unser Spendenvolumen fast vervierfachen können auf gut 800000 Franken», erklärt Simon Moser, Sekretär von SOS International. «Ist das Hilfswerk wirklich seriös?», wollen zahlreiche Leserinnen und Leser vom Beobachter wissen.

Die Jahresrechnung 2000, die der Zentralstelle für Wohlfahrtsunternehmen (Zewo) vorliegt, ist ernüchternd: Nur rund zehn Prozent der Spenden kommen den Bedürftigen zugute. Den Grossteil des Geldes verschlingen Porti und Papier.

Standards sind nicht erfüllt

«Rund zehn Prozent sind ein sehr schlechtes Ergebnis», gibt Moser zu die Rechnung 2001 werde viel besser aussehen. Doch müsse bedacht werden, dass das Hilfswerk bis vor kurzem von Stiftungspräsident Sergej Gerasjuta allein betrieben wurde. Mittlerweile werde es professioneller geführt. Genau dies bezweifelt die Zewo-Stiftungsratspräsidentin und Appenzeller FDP-Nationalrätin Dorle Vallender: «Das Hilfswerk erfüllt unsere Standards noch lange nicht.» Sie kritisiert die aufdringliche, teilweise unwahre Spendenwerbung sowie das schlechte Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag.

In «konsum.tv» auf SF2 wurde Ende Dezember aufgezeigt, dass einige der ukrainischen Familien umgerechnet nur je 60 Franken erhalten haben. Damit konnte kein einziges Kind operiert oder medizinisch versorgt werden. «Die Spenderinnen und Spender werden gezielt hintergangen», folgert Vallender. Der Kassier im fünfköpfigen Vorstand ist ein Schwager des Geschäftsführers Sergej Gerasjuta; dieser kassiert einen Lohn von gut 5000 Franken monatlich aus Spendengeldern. Sekretär Moser sieht darin nichts Unrechtes: «Er leistet gute Arbeit. Wieso soll die nicht anständig entschädigt werden?»