«Sie können ein Audi-A3-Cabrio für rund 50 000 Franken gewinnen», lockt die VDM Handels GmbH aus Root LU in Werbeanrufen. Dabei überredet sie vermeintliche Wettbewerbsteilnehmer, sich ein «Reisebooklet» für verbilligte Ferien zuschicken zu lassen. Kaum haben die arglosen Angerufenen ja gesagt, flattert ihnen eine Mahnung über 299 Franken ins Haus.

Im Telefonat beschreiben die VDM-Angestellten das «Reisebooklet» als «Dankeschön für Ihre Teilnahme am Gewinnspiel». Es enthalte Gutscheine für Ferien in Ägypten, Spanien, Italien oder Dubai. Der Kunde müsse nur die Reise dorthin bezahlen –VDM oder Swiss Travel Point, wie sich die Firma auch nennt, decke die Kosten für 14 Übernachtungen im Viersternehotel beliebig oft während zweier Jahre. Dass das «Booklet» 299 Franken kostet, unabhängig, ob man das Angebot nutzen will oder wird, verschleiern die Verkäufer geschickt. Stattdessen ist oft vom angeblichen Audi-Wettbewerb die Rede, zu dem man den Angerufenen «die Daumen drückt».

«Ich ging einzig davon aus, dass ich unverbindlich Unterlagen zur Informa­tion zugeschickt bekomme», sagt Jürg Kunz aus Brittnau AG. In Internetforen schildern zahlreiche weitere Betroffene den Ablauf exakt gleich. Dennoch beharrt VDM auf ihrer Forderung. Über die Inkassodata in Luzern – sie treibt auch die widerrechtlichen Forderungen der Telefonsexfirma Men Mobile ein – droht sie sogar mit der Betreibung und hat den Forderungsbetrag samt unberechtigten Zuschlägen von 299 auf fast 540 Franken hinaufgeschraubt.

Anzeige

Betreibung wird nicht eingeleitet

Allerdings werden sich VDM oder Inkassodata hüten, das Betreibungsverfahren einzuleiten. Dann müssten sie beweisen, dass tatsächlich ein Vertrag zustande gekommen ist. Doch dem ist nicht so, vergewisserte sich der Beobachter dank einem Gesprächsmitschnitt: Der Preis von 299 Franken wird nur beiläufig erwähnt, und Jürg Kunz’ Einwand, er wolle sich die Sache nur anschauen, wird übergangen. Selbst wenn ein Vertrag abgeschlossen worden wäre, hätte Kunz zwingend ein siebentägiges Rücktrittsrecht. Auch darauf wurde er beim Anruf nicht hingewiesen. VDM-Inhaber Gökan Yildirim wollte zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen.