Beobachter: Über welches selbst gekaufte Gerät haben Sie sich zuletzt geärgert, weil Sie es nicht bedienen konnten?
Manfred Tscheligi: Ein Schnurlostelefon, das mich mit seinen unzähligen Knöpfen und Anzeigen herausforderte: Ich musste die Bedienungsanleitung lesen, um es in Betrieb nehmen zu können, und das will ich eigentlich nicht. Den eingebauten Anrufbeantworter etwa brauche ich gar nicht.

Beobachter: Sind die Konsumenten einfach zu blöd? Oder warum verstehen immer mehr Leute nicht mehr, wie sie ihr Fernsehgerät anschliessen müssen?
Tscheligi: Jeder Mensch hat gewisse geistige und visuelle Fähigkeiten, und es gibt ein Limit, was man sich merken kann. Viele Konsumgüter sind einfach zu komplex geworden oder schlicht nicht darauf ausgerichtet, dass sie der Käufer auch tatsächlich benutzen kann. Handys sind das klassische Beispiel: Wer nicht zur ganz jungen Generation zählt, ist häufig überfordert. Dazu kommt, dass die Geduld abgenommen hat: Wenn man ein neu gekauftes Gerät an den Strom anschliesst, dann muss es funktionieren. Klappt das nicht, steht das Ding wochenlang unbenutzt herum, und die Leute ärgern sich.

Beobachter: Es gibt neuerdings schon Kaffeemaschinen mit Internetanschluss, damit man sich die neusten Kaffeerezepte herunterladen kann. Haben Sie dieses Gerät auch getestet?
Tscheligi: Nein, aber ich habe davon gehört. Ich finde das einen zwanghaften Versuch, moderne Technik in ein altbewährtes Gerät einzubauen. Eine Kaffeemaschine hat doch vor allem einen Zweck: innert nützlicher Frist einen möglichst guten Kaffee zu brauen.

Beobachter: Wie testen Sie denn, ob ein Gerät diese Anforderung erfüllt?
Tscheligi: Ganz einfach: Eine bestimmte Anzahl Benutzer erhält beispielsweise die Aufgabe, mit dem Testgerät einen Cappuccino zu machen. Wir schauen zu, wo die Benutzer hinlangen, wo sie unsicher werden, auf welche falsche Taste sie drücken, wie lange sie brauchen, wie viele an der Aufgabe ganz scheitern. Aus diesen Daten resultieren dann Empfehlungen an den Hersteller.

Beobachter: Und hören die Firmen auf Ihre Ratschläge?
Tscheligi: Als wir vor sechs Jahren damit anfingen, kamen viele Aufträge nur aus reiner Neugier. Mittlerweile wollen die Auftraggeber wirklich etwas lernen. Die Bereitschaft, unsere Tipps auch tatsächlich umzusetzen, ist gewachsen.

Beobachter: Stellen Sie eine Trendwende hin zu einfacheren Geräten fest?
Tscheligi: Ja, das Thema Benutzerfreundlichkeit ist eindeutig wichtiger geworden. Jede Firma sucht heute nach einfachen, aber qualitativ hochstehenden Produkten.

Beobachter: Ist es nicht so, dass die Firmen nur schon aus marketingtechnischen Gründen jedes Jahr neue Geräte mit neuen Funktionen auf den Markt bringen müssen?
Tscheligi: Das hat was. Ich bedaure, dass viele Hersteller diesem so genannten «Featurism» erliegen. Warum grenzt sich keine Firma von der Konkurrenz ab, indem sie sagt: «Wir haben ein bestehendes Produkt verbessert und vereinfacht» statt «Hurra, wir haben ein neues Produkt»?

Beobachter: Können sich die Kunden wehren?
Tscheligi: Ich fände es sinnvoll, wenn Konsumentenorganisationen gezielter vom Kauf gewisser Produkte abraten würden. Unzufriedene Käufer sollen sich aktenkundig und öffentlich aufregen, nicht nur versteckt in irgendwelchen Internetforen. Das geschieht noch viel zu wenig aggressiv, daher werden auch unpraktische Geräte weiterhin hergestellt.

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