Schaumbad, Duschgel, Peeling, Deo, Körperlotion, Gesichtscreme, Make-up, Parfüm - in jedem Badezimmer stehen ganze Kosmetikasortimente für den täglichen Bedarf. Was optimal pflegen und verschönern soll, ist aber nicht immer die reine Wohltat. Viele Inhaltsstoffe reizen die Haut. «Vor allem die Allergien auf Duftstoffe haben in den letzten Jahren zugenommen», sagt Peter Schmid, Leiter der Allergiestation am Zürcher Universitätsspital. Häufig leiden die Patienten unter Ekzemen: Hautstellen, die mit den Kosmetika Kontakt hatten, werden rot, schwellen an, es bilden sich Krusten oder nasse Stellen. Heftiger Juckreiz begleitet das Ganze oft.

Erschwerend kommt hinzu, dass einige Kosmetikazutaten im Verdacht stehen, gesundheitsschädlich zu sein. Problematisch sind beispielsweise polyzyklische Moschusverbindungen: Duftstoffe, die dafür sorgen, dass Duschgels oder Deos angenehm riechen. Die Substanzen könnten nicht nur Allergien auslösen, sondern sich im Fettgewebe des Körpers ablagern, betont Judith Alder, Fachmitarbeiterin beim Schweizerischen Zentrum für Allergie, Haut und Asthma.

Allergietests schaffen Klarheit
Viele Konsumenten setzen daher auf Naturkosmetika als Alternative zum Chemiecocktail. Doch Vorsicht: Ganz so einfach ist es nicht. Denn nicht jedes Produkt, das die Aufschrift «natürlich» trägt, ist es auch hundertprozentig. Oft wird der Begriff nur verwendet, weil er sich gut verkauft, der Grossteil der Inhaltsstoffe kann dennoch jenen herkömmlicher Kosmetika entsprechen. Zudem ist Natur pur gar nicht immer machbar. Es braucht etwa Konservierungsstoffe, die oft aus dem Chemielabor stammen (siehe Box «Worauf Sie achten sollten»).

Aber: «Auch natürliche Inhaltsstoffe können Allergien verursachen», sagt Dagmar Simon, Dermatologin am Berner Inselspital. Manche Menschen bekommen von Kamille, Arnika oder Ringelblume Ausschläge. Ätherische Öle haben auch Allergiepotential. Viele reagieren zudem allergisch auf Wollwachs von Schafen, auch als Lanolin bezeichnet. Es ist in vielen Naturkosmetikprodukten die fettende Grundlage.

Bei Haut, die auf bestimmte Substanzen gereizt reagiert, bleibt nur eins: Den Inhaltsstoff meiden. Klarheit können Allergietests beim Hautarzt schaffen, zum Beispiel der Epikutantest. Dabei werden die verdächtigen Stoffe während zweier Tage auf den Rücken des Patienten aufgetragen und mit Pflastern abgeklebt. In den meisten Fällen identifiziere man so die allergieauslösende Substanz, erklärt Dermatologe Peter Schmid.

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Verwirrende Inhaltsangaben
Schleierhaft hingegen bleiben häufig die Verpackungsangaben. Hersteller von Kosmetika müssen zwar deklarieren, welche Zutaten sich in den Töpfchen und Tuben befinden, doch die internationale Nomenklatur besteht aus für Laien unverständlichen Fachbegriffen. Nur wenige Hersteller liefern brauchbare Übersetzungen. Auch auf Verpackungsaufschriften wie «allergiegetestet», «dermatologisch getestet» oder «hypoallergen» sollte man sich nicht verlassen. Die Tests folgen keinem einheitlichen Standard und bieten keine Garantie, dass die Produkte tatsächlich verträglich sind.

Wer wissen möchte, ob er ein neues Kosmetikprodukt verträgt, probiert es am besten aus: Dazu tupft man über drei bis fünf Tage zweimal täglich eine kleine Probe in die Armbeuge. Wenn sich dort die Haut rötet oder wenn es juckt, sollte man auf das entsprechende Produkt verzichten. Unverträglichkeiten können sich allerdings auch erst mit der Zeit entwickeln.

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Worauf Sie achten sollten

Die Bezeichnung «Naturkosmetik» ist nicht geschützt. Es gibt aber Produkte, die Mindestanforderungen erfüllen. Beim Label «Kontrollierte Naturkosmetik BDIH» verzichten die Hersteller auf Tierversuche, synthetische und chemische Inhaltsstoffe sowie auf gewisse allergieauslösende Substanzen wie Paraffin. Sie verwenden natürliche Rohstoffe. Pflanzenrohstoffe stammen wenn möglich aus kontrolliert biologischem Anbau. Zugelassen sind aber naturidentische Konservierungsmittel aus dem Labor, beispielsweise Sorbinsäure.www.kontrollierte-naturkosmetik.de

Produkte mit dem Label «Service Allergie Suisse» sind frei von 26 eventuell allergieauslösenden, gesetzlich aber erlaubten Duftstoffen. Zudem verzichten die Hersteller auf zehn Konservierungsstoffe oder kennzeichnen sie.www.service-allergie-suisse.ch

Gute Kosmetika führen der Haut Fett und Feuchtigkeit zu und unterstützen damit ihre natürliche Funktion. Cremen oder Lotionen sollten sich aufs Wesentliche beschränken. Gut sind Produkte, die den Säureschutzmantel der Haut nicht angreifen. Ein pH-Wert zwischen 5 und 6,5 ist ideal.

Gesichtspflege ist wichtig, aber mit Mass. Pflegemittel sollten auf den Hauttyp abgestimmt sein. Wer ständig zu fettige Präparate verwendet, verstopft die Poren und kann Akne bekommen. Auch bei trockener Haut sollte man vorsichtig sein. Wasser und Reinigungsmittel entfetten die Haut, das kann sie noch empfindlicher machen. Am besten verzichtet man auf Peelings, duscht nicht zu heiss, verwendet wenig Reinigungsmittel und cremt sich dann ein.

Im Winter tut jedem Hauttyp ein bisschen mehr Pflege gut. Kalte Luft macht die Haut trocken und spröde, geheizte Luft trocknet aus. Wer im Winter oft draussen ist, verträgt eine fetthaltigere Creme. Eine Feuchtigkeitscreme empfiehlt sich in geheizten Räumen. Vorsicht: Feuchtigkeitscremen enthalten mehr Wasser als Öl und können bei Kälte auf der Haut gefrieren. Das lässt unter Umständen Risse entstehen und Äderchen platzen. Die Creme sollte gut eingezogen sein, bevor man rausgeht.

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