Liebe Lauriane Gilliéron. Wie schon so manche Ex-Miss wollen auch Sie Schauspielerin werden und besuchen dazu die Lee-Strasberg-Schauspielschule in Los Angeles. Als Erstes haben Sie sich den Künstlernamen Laurie-Ann Gill zugelegt. Glauben Sie wirklich, die Amis könnten Lauriane Gilliéron nicht aussprechen? Ich nicht, denn die dort drüben sind lernfähig, wenn sie wollen.

Die Amerikaner haben sich schon mit Zungenbrechern wie Ursula Andress oder Arnold Schwarzenegger arrangiert. Hollywood könnte an Ihrem Geburtsnamen Gefallen finden − US-Bürger lieben ja alles, was französisch klingt. Dass sie aber Ihren neuen Namen mögen, wage ich zu bezweifeln. Mit Verlaub: Laurie-Ann Gill heissen Darstellerinnen, die im Hinterland von Hollywood in Billigproduktionen agieren.

Als ehemalige Jus-Studentin wissen Sie natürlich, dass sich zwar jeder und jede einen Künstlernamen zulegen kann. Aber: Der einmal erworbene Name darf amtlich nur geändert werden, wenn sachliche Gründe vorliegen - etwa wenn Sie einen lächerlichen Namen hätten. So liess das Bundesgericht zu, dass aus Kliebenschädel Kliby wurde. Und auch der Name Amherd durfte geändert werden, weil er französisch ausgesprochen wie «Ah, merde!» tönt.

Karrieregelüste sind indes kein Grund für eine amtliche Namensänderung. Melanie Winiger heisst schliesslich trotz absolvierter Schauspielschule auch nicht Mel-Anny Win. Und die Ex-Miss Fiona Hefti, die nun bald Lehrerin ist, wird auch nicht als Frau Heft vor die Schulklasse treten wollen.

Herzlich, Ihr Walter Noser

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