Besonders Reformhäuser und Konditoreien bieten sie an: Schoggihasen, Himbeer-Rouladen, Biscuits, Pralinés, Konfitüre und Guetsli, angeblich speziell «für Diabetiker geeignet». Manchmal kommt die Anpreisung in wissenschaftlichem Gewand daher, wie auf einer Schokolade der Migros: «Unter Anrechnung in der Diät für Diabetiker verwendbar». Alles Quatsch, sagt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung – wissenschaftlich nicht haltbar. Deshalb hat der Bundesrat, die Vertretung der deutschen Länderregierungen, solche Diabetiker-Produkte Ende September verboten.

Zwar weniger Zucker, aber gleich viel Fett

Für Diabetiker gelten inzwischen die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für die Allgemeinbevölkerung: eine ausgewogene, gesunde Kost. «Betroffene sind nicht mehr auf teure Speziallebensmittel angewiesen», bestätigt denn auch Doris Fischer-Taeschler, Geschäftsführerin der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft (SDG). In der Schweiz sind Anpreisungen, wie sie in Deutschland nun verboten wurden, laut Bundesamt für Gesundheit immer noch erlaubt. Die Diabetes-Gesellschaft erhält sogar regelmässig Anfragen, solche Lebensmittel mit ihrem Logo zu empfehlen.

«Aber das tun wir nicht», sagt Fischer-Taeschler. Denn bei diesen Produkten werde meist einfach der Zucker weggelassen oder durch Austauschstoffe ersetzt. Der Fettgehalt bleibe aber gleich. Heute weiss man aber, dass Diabetes mellitus, im Volksmund Zuckerkrankheit genannt, auch mit Störungen des Fettstoffwechsels einhergeht. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat schon längst reagiert: Früher konnten Diabetiker wegen ernährungsbedingter Mehrkosten einen pauschalen Steuerabzug geltend machen. Dieser wurde 2005 abgeschafft.

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