Rheintaler Ribelmais, Sbrinz, LEtivaz, Tête

de Moine de Bellelay, Eau-de-vie de poire Williams du Valais

(Walliser Williams-Schnaps), Gruyère und seit ein paar

Monaten auch der Tessiner Alpkäse (Formaggio dalpe

ticinese) haben eins gemeinsam: Sie sind in die Liste der

«geschützten Ursprungsbezeichnungen» eingetragen.

Die geschützte Ursprungsbezeichnung oder Appellation

dorigine contrôlée (AOC) zeichnet traditionelle

und typische Spezialitäten einer Region aus. Seit 1997

können Landwirtschaftsprodukte wie Käse, Fleisch

oder Früchte einen Eintrag ins Ursprungsregister beantragen.

Dadurch ist das Produkt vor Nachahmungen geschützt und

darf nur noch nach einem strengen Pflichtenheft produziert

werden.

So wurde etwa beim Gruyère die Region eingegrenzt,

in der gekäst werden darf. Ausserdem darf er nur aus

Rohmilch gemacht und muss mindestens fünf Monate auf

Fichtenholz gelagert werden. Für die Kontrolle sorgt

eine beim Bund akkreditierte Zertifizierungsstelle. Bis Gruyère

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jedoch den AOC-Eintrag erhielt, vergingen mehr als drei Jahre.

Grund waren vor allem die Einsprachen erboster Deutschschweizer

Käser, die vom Produktionsgebiet ausgeschlossen werden

sollten, den Käse aber ebenfalls seit Jahrzehnten herstellen.

Liegt das Emmental in Bayern?

Ähnliche Probleme dürften auf das zuständige

Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) nun mit dem AOC-Gesuch

für Emmentaler zukommen. Schliesslich wird der beliebteste

Schweizer Käse längst nicht nur im Emmental produziert.

«Problematisch wird es dann, wenn Produzenten plötzlich

merken, dass der Strich für ein AOC-Gebiet vor und nicht

hinter dem Haus durchgeht», meint Patrick Aebi, Sektionschef

beim BLW. Darum wurde das geografische Gebiet für die

Emmentaler-Herstellung schon mal auf elf Kantone ausgeweitet.

Doch auch aus dem Ausland erwächst dem Löcherkäse

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zunehmend Konkurrenz. So hat in Deutschland beispielsweise

der Allgäuer Emmentaler bereits einen AOC-Eintrag erhalten.

Trotz allen Hürden, die es zu überwinden gilt,

sind Ursprungsbezeichnungen immer begehrter. Kleine Produzenten

sehen darin eine Chance, auf dem liberalisierten Markt bestehen

zu können. Rund 20 Gesuche sind zurzeit beim BLW hängig.

Sechs davon beantragen allerdings bloss eine «geschützte

geografische Angabe» (Indication géographique

protégée, kurz: IGP). Im Gegensatz zur AOC muss

für IGP nur einer von drei Produktionsschritten innerhalb

eines geografischen Gebiets erfolgen. Daher kann beim Bündnerfleisch,

das bisher als einziges Produkt den IGP-Eintrag erhielt, immer

noch Fleisch aus Südamerika verwendet werden. Zudem sieht

das IGP-Label dem AOC-Label zum Verwechseln ähnlich.

Was für die Bündnerfleischproduzenten Namensschutz

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ist, ist für den Bio-Suisse-Chef Christof Dietler Unsinn:

«Wenn man ein geografisches Versprechen macht, sollte

es auch den Konsumentenerwartungen entsprechen. Solche Tricks

kann man niemandem erklären.»

Dies sahen immerhin alle anderen derzeitigen Gesuchsteller

für das IGP ein, darunter auch die Walliser Trockenfleischproduzenten.

Sie erklärten sich bereit, nur Schweizer Rohstoffe zu

verwenden.

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