Liebe Frau Bundespräsidentin, nichts und niemand wird Sie daran hindern können, am 1. August aufs Rütli zu gehen. Zumal nun klar ist, wie Sie hinkommen: An einem einzigen von 33 Häfen des Vierwaldstättersees hatte man ein Einsehen und wird für Sie und Ihre Entourage ein Schiff ablegen lassen. Et voilà, geht doch! Sie brauchen sich nun keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob Sie sich mit dem Heli einfliegen lassen sollen und wer für diese Kosten aufkommen würde.

Wandern müssen Sie auch nicht. Eigentlich schade. Die paar Kilometer von Seelisberg zum Rütli runter wären wir Eid- und anderen Genossen gern mit Ihnen gewandert. Mit links! Und mit gutem Schuhwerk. Doch die Wanderung fällt nun ins Wasser. Sie können also getrost Ihre roten Schuhe mit weissem Schweizerkreuz anziehen, mit denen Sie damals die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea überschritten haben. Die tuns für die paar Schritte von der Schifflände zur Rütliwiese auch. Wenn bloss nicht doch noch was dazwischenkommt!

Vielleicht spielt Ihnen nämlich das Wetter einen Streich. Bei Gewittern sind Höhen, Gewässer und frei stehende Bäume zu meiden. Sollten Sie sich aber auch von Blitz und Donner nicht aufhalten lassen, dann müssen Sie auf dem Rütli oben niederkauern, dürfen nicht absitzen und ja nicht gegen einen Felsen lehnen. Halten Sie die Füsse eng zusammen und die Knie umschlungen. Wobei: Vielleicht bleiben Sie bei einem Gewitter am besten einfach daheim.

Herzlichst,
Ihr Walter Noser

Quelle: Monika Flückiger