Irène Zellweger (Name geändert) musste sich 13 Tage lang im Spital behandeln lassen, nachdem sie sich mit kochendem Wasser ihre Beine und Füsse verbrüht hatte: Der Handgriff ihres erst kürzlich gekauften Migros-Kochtopfs «Mivit Noblesse» war plötzlich abgebrochen, als sie den Topf vom Herd nahm. Für Irène Zellweger ein «klarer Fall eines Produktmangels».

Das sei ausgeschlossen, sagt allerdings die Migros. Denn ein Prüfinstitut habe am Kochtopf eindeutig festgestellt, dass der Griff wegen einer massiven Überbelastung abgebrochen sei. Die Migros will deshalb keinen Schadenersatz zahlen.

«Es ist unverständlich, weshalb die Migros die Haftung ausschlägt», sagt dazu Simone Hochstrasser, Beraterin beim Konsumentenforum (kf). «Der Prüfbericht konnte keine Schuld von Irène Zellweger nachweisen. Dies wäre aber nötig, um die Haftung ablehnen
zu können.»

Der Grossverteiler hätte deshalb laut Hochstrasser mindestens die Heilungskosten von bisher rund 12000 Franken übernehmen müssen. Aber der orange Riese bietet lediglich 5000 Franken an – als «Zustupf an die entstandenen Umtriebe».

Irène Zellweger ist mit diesem Angebot nicht einverstanden. «Auf einen solchen Kuhhandel lasse ich mich nicht ein. Die Migros hat einen fehlerhaften Kochtopf verkauft, und dafür hat sie geradezustehen.»

Migros-Pressesprecher Urs Peter Naef weist sämtliche Vorwürfe zurück. Es habe wegen dieser Kochtöpfe bisher nie Reklamationen gegeben. «Ein Rückruf ist für uns deshalb kein Thema.»

Über die Bücher muss man beim Grossverteiler aber trotzdem. Mittlerweile hat das Labor eines grossen ausländischen Pfannenherstellers bestätigt: Die Schweissung des Griffs sei «völlig unzureichend» und «schlecht ausgeführt».

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