Für «Biotomaten aus Holland» wirbt die Migros in ihrer Zeitung «Brückenbauer». Fragen zur Ökologie der winterlichen Gewächshaustomaten werden im Artikel gleich beantwortet. Da mit dem (subventionierten) holländischen Erdgas nicht nur Wärme, sondern in einem Blockheizkraftwerk gleichzeitig Strom erzeugt werde, sei die ganze Sache ökologisch sinnvoll, propagiert der PR-Text.

Hierzulande dürfen Gewächshäuser laut Biorichtlinien nur beheizt werden, um Frost zu bekämpfen. Doch bei der Migros legt man das ökologische Engagement international aus und beruft sich auf EU-Recht: «Bei den Holland-Tomaten berücksichtigen wir die Bioverordnung EU 2092/91, und dort ist das Beheizen erlaubt», so Katrin Gruber, Leiterin des Migros-Bioprogramms.

«Es schafft Gewissheit und Transparenz, ein Produkt mit sozialem und ökologischem Mehrwert vor sich zu haben», heisst es in den Migros-Leitlinien zum Bioengagement. Sicher ist – und das weiss jeder Hobbygärtner –: Ohne zugeführte Wärme werden Tomaten Anfang Frühling weder in Holland noch in der Schweiz reif.

Punkto Energiebilanz viel besser schneiden Tomaten zum Beispiel aus Marokko ab. Allerdings genügten solche Tomaten im Frühling nicht mehr den Qualitätskriterien der Migros, erklärt Katrin Gruber. Da hilft nur, auf die weit gereisten, ebenfalls unter dem Engagement-Label angebotenen Biotomaten aus Israel auszuweichen. Die sind Anfang März mit Fr. 4.20 pro Kilo sogar billiger als Schweizer Tomaten im Hochsommer.

Quelle: Archiv