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AudioSo finden Sie den richtigen Kopfhörer

Je perfekter die Aufnahmen sind, desto besser sollte der Kopfhörer sein.

Früher musste er einfach gut klingen. Heute reicht das nicht mehr allen. Ein moderner Kopfhörer kann auch Umgebungsgeräusche unterdrücken.

Die US-Firma Koss hat 1984 einen Kopfhörer präsentiert, der den Hi-Fi-Sound auf die Strasse brachte. Er klang so gut, dass er noch heute verkauft wird – Design, Technik und Preis blieben nahezu unverändert. Vergangenen Herbst stellte Apple neue Kopfhörer vor: «Die AirPods. Einfach. Kabellos. Magisch.» Kein Wort mehr von tollem Sound. 179 Franken will das Unternehmen für die drahtlosen Designerstöpsel, die vieles sehr gut können, etwa das Smartphone steuern. Akustisch aber sind sie kein Fortschritt. Sie klingen wie 30-fränkige Standardhörer mit Kabel.

Die beste Anlaufstelle für einen neuen Kopfhörer ist noch immer der klassische Fachhandel. Dort sollte man sich durch das Angebot hören und dann nach Geschmack entscheiden.

Im, auf oder über dem Ohr?

Auf diese Weise findet man auch die passende Form. Die einen mögen es im, die anderen auf und die nächsten über dem Ohr.

  • Für jemanden, der im Fitnesscenter mit Taylor Swift die Muskeln stählen will, reicht meist ein In-Ear-Kopfhörer für etwa 30 Franken, sagt Akustiker Patrick Wolleb vom britischen Studiobauer Audiopheel. Dasselbe gelte für Leute, die Musik-Streaming wie Spotify nutzen. «Im Vergleich zur CD oder zu hochwertigen Audioformaten ist die Streaming-Qualität tiefer», sagt Wolleb. «Ein hochwertiger Kopfhörer macht die Musikqualität auch nicht besser.»
  • Wer aber bei Beethovens fünfter Sinfonie die Augen schliessen und sich mitten im Orchester fühlen will, bevorzugt einen anderen Kopfhörer. Sobald Dynamik und ein hohes Frequenzspektrum gefragt sind, steigen aber die Kosten für die Kopfhörer. «Ab einem Preis von etwa 100 Franken entscheidet die Hörgewohnheit», sagt Patrick Wolleb.

Neuste Technik sorgt für reinsten Sound

Keine Lust auf Kabelsalat?

Doch längst nicht alle Qualitäten eines Kopfhörers sind subjektiv. Zum Beispiel, wenn es um die ­Frage geht, ob man Kopfhörer mit oder ohne Kabel will.

  • Ohne Kabel muss das Audiosignal über die Luft gesendet werden. Das verbraucht Energie, braucht also einen Akku. Ein Gerät mehr an der Steckdose.

  • Die meisten kabellosen Kopfhörer senden ihr Signal per Bluetooth. Dessen Bandbreite, also die Menge der Daten, die übertragen wird, ist beschränkt. Um Musik zum Beispiel von einem Smartphone in ausreichender Qualität auf den Kopfhörer zu senden, müssen die Daten komprimiert werden. Darunter leidet die Qualität. Ein Audiokabel ist dagegen verlustfrei.
  • Beim Kauf eines Bluetooth-Kopfhörers sollte man daher auf die Bezeichnungen aptX und A2DP achten. Das sind Komprimierungsverfahren, die die Übertragungsqualität zumindest nah an die eines Kabels bringen. Wichtig: Sowohl Kopfhörer als auch Sender des Musiksignals müssen diese Verfahren unterstützen.

Und was ist mit Nebengeräuschen?

Wenn es die Musik unbeschadet bis zum Kopfhörer geschafft hat, muss sie noch ins Ohr. Und hier kommen die Nebengeräusche ins Spiel. Zu dumm, wenn das Rattern eines Schnellzugs Beethovens Neunte stört.

Die Lösung heisst Noise Cancelling oder Lärmauslöschung.

  • Die klassische Variante bei der Lärmauslöschung ist die akustische Isolierung: Je besser der Hörer die Ohren umschliesst, desto weniger Nebengeräusche gelangen ins Ohr. Der Effekt dieses passiven Noise Cancelling ist jedoch beschränkt.
  • Seit einigen Jahren werben die Hersteller mit dem aktiven Noise Cancelling: Mikrofone am Kopfhörer nehmen die Umgebungsgeräusche ständig auf und speichern sie digital. Dabei erzeugt ein Prozessor über den Kopfhörer ein um 180 Grad gespiegeltes Signal. Dieses, nennen wir es Antilärm, dämpft das Grollen des Zugs, bis das Ohr es nicht mehr wahrnimmt.

Aktive Neutralisierung kann man mit dem Effekt des Streichholzes nach dem Geschäft auf dem stillen Örtchen vergleichen, die passive damit, dass man danach nur die WC-Tür schliesst.

Auch die Wahl des richtigen Kopfhörers ist am Ende eben Geschmackssache.

Text: Mario Stauber
Foto: Tuomas Marttila / Maskot / Plainpicture
Illustration: Andrea Klaiber

Veröffentlicht am 2017 M04 10