Antonio S.* dachte sich nichts dabei, als er seiner Tochter ein harmloses Gratisspiel auf sein iPad herunterlud. Die Vierjährige konnte daraufhin den Spielfiguren im virtuellen Coiffeursalon die Haare schneiden, färben und frisieren. Doch um etwas variantenreicher spielen zu können, musste das Mädchen Erweiterungen herunterladen. Ein neues Spiel innerhalb des Spiels, sogenannte In-Apps.

Um zu solchen Erweiterungen zu kommen, braucht es keine technischen Kenntnisse. Die Masche ist immer die gleiche. Die Spiele sind nur in einer sehr einfachen Version funktionsfähig – und gratis. Für eine höhere Schwierigkeitsstufe oder eine vielfältigere Variante braucht es einen Zusatz. Viele Spiele ergeben ohne diese In-Apps gar keinen Sinn. Auf dem Bildschirm erscheint jeweils eine Meldung, die dazu auffordert, die Erweiterung herunterzu­laden. Und das kann teuer werden.

Vorsicht bei den Voreinstellungen

Was sich viele Nutzer nicht bewusst sind: Ihr Gerät ist so eingestellt, dass es neue Apps ohne weitere Nachfragen aus dem Shop von Google (Android) oder iTunes (Apple) herunterlädt. Im Fall von Antonio S. ging das so: Er lud das Programm he­runter und gab im Appshop sein Passwort ein. Bei den darauffolgenden Downloads wurde dieses dann automatisch ergänzt, die Tochter musste nur noch bestätigen, dass sie das Spiel fort­setzen wolle. Der ­Vater reagierte richtig: Als später auf der Kreditkarte der Betrag von 750 Franken auftauchte, bestritt er, jemals willentlich mit dem Spieleshop von Google einen Kaufvertrag abgeschlossen zu haben ­(siehe «So verhindern Sie unfreiwillige Käufe»). Der Betrag wurde storniert.

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Für 2300 Franken Spiele heruntergeladen

Beim Beobachter-Beratungszentrum melden sich immer wieder Eltern. Mal geht es nur um 20, mal um über 1000 Franken. So etwa bei Robert S.*: Er lud seiner zwölf­jährigen Tochter einen Film herunter. Am selben Tag spielte ihr achtjähriger Bruder auf dem iPad. Ohne es zu wissen, erweiterte dieser seine Spielesammlung, die Kreditkarte wurde automatisch belastet. Die Passwortschranke war aufgrund des Filmdownloads geöffnet.

Das böse Erwachen: Innerhalb von zwei Tagen summierten sich die Kosten auf 2300 Franken – erst dann wurde die Kreditkarte gesperrt. Robert S. kam mit dem Schrecken davon. Er bestritt die ­Forderung sowohl bei der Kreditkarten­firma als auch bei iTunes und erhielt das Geld zurück.

*Name der Redaktion bekannt

Games: So verhindern Sie unfreiwillige Käufe

In-App-Käufe finden sich oft innerhalb von Onlinespielen. Apple kennzeichnet jede App, in der In-App-Käufe möglich sind. Allerdings sind die Hinweise ­undeutlich und werden oft überlesen.

Falls ein Smartphone oder Tablet auch von Kindern benutzt wird, sollten solche Kaufoptionen deaktiviert werden.

  • Apple-Geräte (iPhone, iPad): Einstellungen → Allgemein → Einschränkungen. «Einschränkungen aktivieren» wählen. Nun erscheint eine Liste mit erlaubten Apps und Funktionen. Hier den Schieberegler bei «In-App-Käufe» deaktivieren.

  • Android-Geräte (zum Beispiel Samsung, Google Nexus): Google Play Store öffnen → Einstellungen → Option «Passwort für Käufe erforderlich» wählen. Hier kann das Zeitfenster definiert werden, nach dem das Passwort bei Käufen erneut eingegeben werden muss. Es empfiehlt sich, diejenige Einstellung zu wählen, bei der das Passwort bei jedem In-App-Kauf eingegeben werden muss.

  • Der Beobachter empfiehlt im Fall von unerwarteten Belastungen der Kreditkarte, diese sofort bei der Kreditkartenfirma zu bestreiten und die vertragliche Grundlage der Forderung beim Appanbieter (iTunes/Google Play Store) in Frage zu stellen. Wenn Kinder ohne Wissen Erwachsener Apps kaufen, können Erwachsene die Forderung bestreiten und den Betrag zurückverlangen.

Buchtipp

Eveline Hipeli: «Medien-Kids. Bewusst ­umgehen mit allen Medien – von Anfang an»; 2014, 216 Seiten, 38 Franken (für Beobachter-­Mitglieder Fr. 29.90) Beobachter-Edition.

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Quelle: Getty Images