Jedes zehnte Bild, das seit der Er­findung der Fotografie geschossen wurde, ist in den letzten zwölf Monaten entstanden. Das hat der US-Foto­dienst 1000 Memories jüngst errechnet. Rund 375 Milliarden neue Fotos sollen dieses Jahr entstanden sein.

Zwei technischen Errungenschaften haben wir diese Bilderflut zu verdanken, in der wir zunehmend zu versinken drohen: der Digitalfotografie und der Handykamera. Analoge Filmrollen hatten uns gelehrt, nur auf den Aus­löser zu drücken, wenn es sich lohnt. Digitale Fotos schiessen wir fast beliebig, jeder Moment wird in zig Varianten festgehalten, es kostet schliesslich nichts. Seit zudem praktisch jedes Handy mit einer Kamera ausgestattet ist, haben wir stets eine dabei, selbst wenn wir keine eingepackt haben. Gelegenheit macht Fotos.

Die Technologie hat dafür gesorgt, dass wir viel weniger darüber nach­denken, was wir überhaupt fotografisch festhalten wollen. Umso mehr sind wir gefordert, wenn das eigene Fotoarchiv ein schöner Raum für Erinnerungen sein soll und keine überfüllte Abstellkammer. Zahlreiche technische Hilfsmittel leisten dabei Dienste – das wichtigste ist aber die eigene Disziplin.

Das Zauberwort ist «aussortieren». Grosszügig aussortieren. Vermutlich benötigen Sie nicht sieben fast identische Bilder derselben Geburts­tagstorte. Wählen Sie das beste aus und löschen Sie die anderen. Diese Arbeit muss nicht mühe­voll sein. Sehen Sie es als Gelegenheit, das Geburtstagsfest, den Ausflug oder die Ferien Revue passieren zu lassen.

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Sie erreichen mit der Selektion gleich zwei Dinge: Die Qualität der Bilder­sammlung steigt, und Sie müssen weniger Fotos für die Archivierung fit machen. Die folgenden fünf Tipps zeigen, wie Sie Bilder am besten ablegen, damit Sie sie wiederfinden.

Viele legen Bilder auf der Festplatte noch immer genauso ab, wie sie es von den guten alten Fotoalben gewohnt sind. Bilder werden in verschiedenen Ordnern abgelegt, man baut ausgeklügelte Ordnersysteme auf – nur um am Ende zu merken, dass man das Bild X doch wieder nicht findet.

Das Schöne an der digitalen Verwaltung von Bildern ist, dass Sie Bilder nicht auf eine einzige Art sortieren müssen. Gängige Programme zur Verwaltung von Bildern, sei es iPhoto für Mac oder Photo Gallery für Windows, verfügen über eine gute Suchfunktion.

Damit Sie die gewünschten Bilder über die Suchfunktion tatsächlich finden, müssen Sie das Programm bei der Suche unterstützen.

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Beschriften Sie Ihre Bilder und verpassen Sie allen Bildern mehrere Schlagwörter. Nutzen Sie die Bewertungsfunktion, um Ihre Lieblingsbilder speziell zu markieren. Achten Sie auch darauf, dass die Bilder korrekt datiert sind, indem Sie bei der ­Kamera das Datum einstellen oder ­nachträglich bei jedem Bild vermerken, wann es aufgenommen wurde.

Wenn Sie so vorgehen, können Sie im ­Handumdrehen alle Bilder aus dem «Jahr 2008», alle Bilder von «Wanderungen» oder alle «lustigen Bilder» aufrufen, ganz egal, wo sie abgelegt sind. Und selbst unter Tausenden Bildern finden Sie so ohne Mühe dieses eine spezielle Bild, das Ihnen gerade in den Sinn gekommen ist, von dem Sie aber nicht mehr genau wissen, wann und wo es entstanden ist.

Menschen sind meist das Wichtigste an Fotos, oft sind sie der Grund, warum eines überhaupt entsteht. Und Menschen sind es oft auch, die uns dazu bringen, Bilder von früher anzusehen. Der Urlaub mit guten Freunden, die Kinder, als sie noch klein waren, die Grosseltern, als sie noch lebten.

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Alle Bilder anzusehen, auf denen eine ganz bestimmte Person zu sehen ist, ist ein häufiges Bedürfnis. Eines, das moderne Software sehr bequem befriedigt. Gängige Bildprogramme sind in der Lage, Gesichter auf Fotos zu analysieren und Personen zuzuordnen.

Auch hier braucht der Computer ein wenig Unterstützung von Ihnen. Markieren Sie Personen, die Ihnen wichtig sind, auf einigen Fotos, damit das Programm einen Ausgangspunkt zum Vergleichen hat. Es wird dann nach Bildern suchen, auf denen dieselbe Person zu sehen ist.

Der Computer wird nicht auf Anhieb alle passenden Bilder finden, und er wird Gesichter falsch zuordnen. Je mehr Sie ihn dabei korrigieren, desto mehr lernt er dazu, desto höher wird die Trefferquote. Bis Sie am Ende alle Gesichter in Ihrer Fotosammlung mit passenden Namen ­versehen haben.

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Viele Fotos sind ganz unmittelbar mit einem bestimmten Ort verbunden. Heute ist es kein Problem mehr, diesen Ort beim Foto zu vermerken, nicht einfach als Textbeschreibung, sondern als exakte Koordinaten. Immer mehr Kameras sind in der Lage, diese GPS-Daten direkt ­aufzuzeichnen (Handykameras ohnehin), bei Kameras ohne integrierte GPS-Funktion kann man sich mit einem externen GPS-Logger behelfen. Es lohnt sich aber auch, die Daten nachträglich manuell zu erfassen, solange man sich noch erinnern kann, wo das Bild aufgenommen wurde.

Das gibt Ihnen die Möglichkeit, via Kartenansicht durch Ihre Bildersammlung zu reisen und Bilder nach Entstehungsorten zu ­sortieren. Die Geodaten sind mitunter Ihre Rettung, wenn Sie nach fünf Jahren wieder nach Portugal reisen, auf alten Fotos ­diesen wunderschönen einsamen Strand wiederentdecken und sich partout nicht mehr daran erinnern, wo genau der war.

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Die digitale Bilderverwaltung hilft natürlich wenig, wenn man viele Erinnerungen nur in Analogfotos festgehalten hat. Wer genug Geld oder genügend Zeit dafür aufzubringen vermag, kann seine mit Analogkamera geschossenen Aufnahmen in die digitale Welt überführen. Je nach Anbieter und ­gewünschter Bildqualität kostet das Digitalisieren alter Fotos zwischen 40 Rappen und einem Franken pro Negativ.

Bei grossen Mengen kommt die Anschaffung eines eigenen Scanners günstiger, das eigenhändige Digitalisieren der Fotos ist aber entsprechend zeitintensiv. Für den Laienknipser ist das Digitalisieren der gesamten Fotosammlung daher eher nicht zu empfehlen. Warum aber nicht die Gelegenheit packen, alte Fotos durchstöbern und ausgewählte Exemplare anschliessend professionell digitalisieren lassen?

Auch der umgekehrte Weg hat seinen Reiz. Wir alle haben Bilder, die zu gut oder die uns zu wichtig sind, als dass sie einfach mit Hunderten oder Tausenden anderen auf der Festplatte liegen sollten. Eine Google-Suche nach «Fotobuch» bringt die mannigfaltigen Möglichkeiten hervor, Bilder von der digitalen Welt in die analoge zurück­zubringen. Sei es als Fotobuch, als grossformatig ausgedrucktes Einzelbild oder gar auf Leinwand aufgezogen. Hängt ein Bild erst an der Wand, geht es nie verschütt unter noch so vielen neuen. Zugleich ist es eine stetige Erinnerung und Einladung, in der digitalen Sammlung nach weiteren Bildern zu stöbern.

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Da haben Sie nun also Ihre Fotosammlung wunderbar organisiert auf Ihrer Festplatte. Bloss: Ausser an Ihrem Computer können Sie die Bilder niemandem zeigen. Wenn Sie Ihre Fotos, zumindest jene, die Sie nicht für sich allein behalten wollen, online ­speichern, haben Sie von überall Zugriff, wo Sie mit dem Internet verbunden sind (zum Beispiel bei den Freunden zu Hause, wo das Gespräch gerade zufällig auf Ihre letzten Ferien gekommen ist).

Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, Bilder einem beliebigen privaten oder ­öffentlichen Kreis von Menschen über das ­Internet zugänglich zu machen. Spezielle Online-Fotodienste wie Flickr oder 1000 Memories sind genau dafür ausgelegt. Wenn Sie Bilder vor allem in Ihrem Freundeskreis herumzeigen wollen, bietet sich auch Facebook an. Mit 250 Millionen hochgeladenen Fotos pro Tag (!) ist Facebook die mit Abstand grösste Fotoplattform der Welt. Bei all diesen Diensten können Sie auch einstellen, dass nur Sie selber Ihre ­Fotos ansehen können, und sie so als ­orts­unabhängige Speicherorte nutzen. ­Darüber werden Sie auch froh sein, falls ­Ihnen irgendwann der Computer abhandenkommt oder Ihre Festplatte unwiederbringlich abstürzt.

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