E-Mails sind wie Postkarten: Jeder, der sie in die Hände kriegt, kann sie lesen oder gar unbemerkt verändern. Da man kaum Einfluss nehmen kann, über welche Kanäle eine Mail zum Adressaten gelangt, kennt man auch die Sicherheitslücken nicht. Bei allfälligen Mitlesern muss es sich nicht nur um Privatpersonen handeln: Heutzutage suchen insbesondere staatliche Sicherheitsorgane automatisiert im Internet nach bestimmten Wörtern und Redewendungen.

Wer seine Mails vor fremden Blicken schützen will, verschlüsselt seine Nachrichten. Gängige Programme, die es im Internet auch gratis gibt, funktionieren mit zwei sogenannten Schlüsseln: Der Code zum Verschlüsseln der Mails wird öffentlicher Schlüssel genannt und, wie es der Name sagt, öffentlich bekanntgegeben. Zum Entschlüsseln hat jeder Empfänger seinen Code, den er niemandem anvertraut - auch privater Schlüssel genannt.

Möchte sich etwa Alex mit seinem amerikanischen Freund Bob regelmässig über internationale Politik unterhalten, ohne Gefahr zu laufen, wegen Stichwörtern wie «Terror» oder «al-Qaida» ins elektronische Netz von Geheimdiensten zu geraten, nutzt Alex den öffentlichen Schlüssel von Bob und verschlüsselt damit die Mails an seinen Freund. Bob wird diese mit seinem persönlichen Schlüssel entziffern können; Fremde hingegen sehen nur einen Zeichensalat. Antwortet Bob, verwendet er entsprechend den öffentlichen Schlüssel von Alex.

Voraussetzung für die erfolgreiche Mail-Kryptographie ist, dass Sender und Empfänger kompatible Software nutzen - denn noch fehlt ein Standard, der Software-übergreifend funktionieren würde.

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