Sind Sie bereit, mehr Gebühren zu zahlen? Wo soll die SRG sparen?

Die SRG, das sind: 6100 Angestellte, acht Fernseh- und 18 Radioprogramme, ein Jahresbudget von rund 1,6 Milliarden Franken, davon gut 1,1 Milliarden allein aus den Gebühren, und nicht zuletzt: Woche für Woche ungefähr eine Million Franken Verlust, Tendenz stark steigend.

Damit ist auch schon das Hauptproblem der SRG angesprochen. Der Koloss muss sparen. Doch genau dieses Wort, das heute jeder Staat, jeder Gemeindepolitiker, jeder Unternehmensführer, jede Familie kennen muss, um über die Runden zu kommen, ist im Luxusresort Leutschenbach und bei der SRG noch immer weitgehend unbekannt.

Es ginge auch effizienter

So gab Verwaltungsratspräsident Jean-Bernard Münch Ende April dem «Tages-Anzeiger» seelenruhig zu Protokoll, man habe jetzt vier Optionen, um die desolate Finanzlage in den Griff zu bekommen. Erstens: Höhe der Gebühren. Zweitens: Kompensation der Gebührenbefreiung für Bezüger von Ergänzungsleistungen. Drittens: Lockerung der Werbe- und Sponsoringrichtlinien. Und viertens: Abstriche beim Programm.

Das Interessante neben der Reihenfolge der angedachten Massnahmen: Die Möglichkeit, durch Budgetdisziplin und Kostensenkungen Geld zu sparen – ohne Programmabstriche –, kam Münch nicht mal in den Sinn.

Das verrät einiges über den Geist in den Führungsetagen des Medienriesen. Kostenstellen gelten dort offenbar als unbeeinflussbare Grössen, sie werden beobachtet wie die Isobaren auf der Wetterkarte von Thomas Bucheli. Das Finanztief als eine Form höherer Gewalt. Das ist – in einer Zeit, in der alle sparen müssen – nicht nur inakzeptabel, es ist auch Unsinn. Gerade in einem Haushalt, der jahrelang privilegiert lebte, kann man drei bis fünf Prozent einsparen, ohne dass es hart an die Substanz geht. «Die SRG», weiss etwa Medienpionier Roger Schawinski, «kann man locker um einiges effizienter machen» (siehe Artikel zum Thema «Die letzte Chance für die SRG»).

Wo der Hebel angesetzt werden könnte, zeigt unsere Titelgeschichte (siehe Artikel zum Thema «Medienriese SRG: Der Koloss muss abspecken»). Als Beispiele für allzu sorglosen Mitteleinsatz seien herausgepickt: das Luxusstudio Chasa in Chur, wo nicht weniger als 162 Angestellte ein paar wenige rätoromanische Radio- und TV-Sendungen produzieren, die mehrere Millionen Franken teuren neuen Logos von Idée Suisse, die 1000-köpfige Hydra der Tessiner Abteilung. Aber auch die grosszügigen Angebote des Reisebüros Leutschenbach, das Moderatorinnen und Moderatoren gern für gebührenfinanzierte und oft wenig informative Ausflüge nutzen, könnten schadlos etwas gestutzt werden.

Der neue SRG-Chef Roger de Weck jedenfalls wird nicht nur seine zweifellos reichen journalistischen Kenntnisse einbringen dürfen, sondern vorab Managerqualitäten
zeigen müssen.