Kriminell? Selbst für das enge Umfeld war das offenbar unvorstellbar. Dabei zog «Shiny Flakes», ein 20-jähriger Lehrling aus Leipzig, vom Kinderzimmer aus einen globalen Drogenhandel auf. Und Ross Ulbricht, ein Amerikaner Ende 20, kassierte mit «Silk Road», seiner Online-Plattform für illegale Geschäfte, rund 20'000 Dollar an Kommissionen – pro Tag.

Die beiden Nachwuchs-Drogenbarone nutzten für ihre Geschäfte das sogenannte Darknet. In diesem Teil des Internets können sich Nutzer dank einer ausgeklügelten Verschlüsselungstechnik und einem speziellen Browser anonym bewegen. Und mit der elektronischen Währung Bitcoin lässt sich Geld verschieben, ohne Spuren zu hinterlassen, wie sie bei einer Banküberweisung entstehen würden.

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Die Parallelwirtschaft boomt

In den letzten Jahren hat sich im Darknet eine unüberschaubare Parallelwirtschaft für illegale Güter und Dienstleistungen entwickelt – egal, ob Drogen, Waffen, falsche Pässe, Auftragsmorde oder radioaktive Stoffe. Beobachter-Redaktor Otto Hostettler hat sich in seiner Masterarbeit für die Weiterbildung in «Economic Crime Investigation» an der Hochschule Luzern mit diesen dunklen Zonen des Internets eingehend beschäftigt. Seine Titelgeschichte zeigt die kriminellen Bereiche des Internets – sie ähneln oft dem etablierten Onlinehandel.

Die illegalen Shops sind nutzerfreundlich und kommen so professionell daher wie Amazon, Ebay und Co. Wie dort bewerten auch im Darknet Käufer die Verkäufer. Diese tun wiederum viel dafür, um gute Bewertungen zu erhalten. Und weil man Kriminellen nicht unbedingt vertrauen kann, geht der Kaufpreis auf ein Sperrkonto. Erst wenn die Lieferung angekommen ist, erhält der Verkäufer das Geld.

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«Die illegalen Shops kommen so professionell daher wie Ebay, Amazon & Co.»

Matthias Pflume, stv. Chefredaktor

Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) berichtete im letzten Jahr, dass der Internethandel neue Käuferschichten für Drogen eröffnet – auch dank dem Postversand. Ein einfacher und günstiger Vertriebskanal, der sich unmöglich vollständig überwachen lässt. Weil man illegale Drogen anonym und online bestellen kann, werden sie auch für Leute verfügbar, denen der Kontakt mit einem Strassendealer zu riskant wäre. Umgekehrt kommen Drogenhändler nicht mehr unbedingt aus einem klassischen kriminellen Milieu, sondern müssen sich vor allem mit Software auskennen. Die Ermittler sind dagegen – von wenigen Spezialisten abgesehen – meist überfordert von der Raffinesse der Internet-Kriminellen. Strafverfolger leben von den Fehlern der Täter. Solange aber Staatsanwälte Anfänger in Sachen Darknet sind, werden sie es schwer haben, verräterische Patzer überhaupt zu erkennen. Kein Wunder, breitet sich der illegale Onlinehandel rasant aus.

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Der neue Beobachter ist da!

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte «Darknet – die Schattenwelt des Internets» in der aktuellen Ausgabe des Beobachters.

Weitere Themen des Hefts: Flüchtlinge – Die heikle Frage nach der Obergrenze, Der Fall – Ein Schweizer Arzt dreht auf Teneriffa in den Mühlen der Justiz. Steuern – das können Sie abziehen.

Der Beobachter 4/2016 erscheint am Freitag, 19. Februar. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

Quelle: Beobachter (Montage)

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