Das Handy ist vielen zu wichtig. Bei jedem dritten Paar, das in die Therapie zu einem Luzerner Psychotherapeuten kommt, ist der übermässige Gebrauch des Smartphones ein Konfliktgrund. Es geht um mangelnde Aufmerksamkeit und geistige Abwesenheit des Partners – ein Fall von klassischer Eifersucht. Das Phänomen ist heute, nur neun Jahre nachdem das Smartphone seinen Siegeszug antrat, fast überall zu beobachten.

Der kleine praktische Helfer, der uns auf Fingerdruck scheinbar die ganze Welt erschliesst, ist zum ersten und wichtigsten Ansprechpartner geworden, ja für viele zum Teil ihrer Identität. Ohne Handy fühlen wir uns behindert im Alltag, abgenabelt von angeblich wichtigen Informationen, irgendwie nicht vollständig.

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«Wer das Handy verliert, kennt den Adrenalinstoss. Als würde man auf offener See über Bord gestossen.»

Andres Büchi, Chefredaktor

Wer das Handy verlegt hat oder verliert, kennt den Adrenalinstoss, der einen durchfährt, als würde man auf offener See über Bord gestossen. Zwar sind die wenigsten Menschen Smartphone-süchtig, aber wir sind so stark abhängig geworden von den Westentaschencomputern, dass sich Heerscharen von Forschern damit beschäftigen abzuschätzen, wie die Handynutzung uns und unsere Gesellschaft verändert.

Für unsere Titelgeschichte «Gemeinsam einsam» haben Yaël Debelle, Jessica King und Gian Signorell wichtige Erkenntnisse zusammengetragen. Fazit: Der permanente Informationsfluss aus sozialen Netzwerken und Infokanälen, der uns angeblich näher ran an alles bringt, entrückt uns zunehmend von der realen, sinnlich wahrnehmbaren Welt. Wir sind überall ein bisschen und nirgends mehr richtig. Jeder ist mit jedem befreundet – und kaum jemandem mehr wirklich wichtig.

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Wir haben Tausende fiktive Freunde

Befremdliche Entwicklungen zeichnen sich ab. Die Onlineprofile werden zum Kernimage mancher Facebook-Freunde und scheinbar realer als die reale Person. Die simple Bedienung unserer Handys konditioniert uns zu menügeführten Automaten, die Daten tanken wie Benzin an der Zapfsäule, um irgendwohin zu fahren, wo wir gar nicht hinwollen – nur weil wir die Möglichkeit dazu haben.

Je enger die reale Welt wird, desto dankbarer stossen wir vor in den digitalen Möglichkeitsraum. Noch hat die Wissenschaft keine klaren Antworten, wie das unsere Gesellschaft verändern wird. Was Sie in unserer Titelgeschichte dazu erfahren, soll zum Nachdenken anregen.

Es lohnt sich, sich dieser Entwicklung bewusst zu werden. Schliesslich wollen wir möglichst die guten Seiten der digitalen Gesellschaft fördern und die schlechten bleiben lassen.

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Der neue Beobachter ist da

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte «Gemeinsam einsam – Die Folgen der ständigen Erreichbarkeit» in der aktuellen Ausgabe des Beobachters.

Weitere Themen des Hefts: Erinnerungen – warum lügt unser Gedächtnis? / Reuige Mütter – wenn Frauen bedauern / 52 Seiten Extra: Besser leben mit Holz

Der Beobachter 7/2016 erscheint am Freitag, 1. April. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

Quelle: Raisa Kanareva/123RF
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