Im iTunes Store von Apple ist eine iPhone-Applikation verfügbar, die das Adressverzeichnis mit dem Facebook-Konto des Nutzers abgleicht. Dies ermöglicht, Fotos und andere Informationen von Facebook-Freunden zum iPhone-Adressbuch hinzuzufügen. Problematisch: Um die Synchronisierung vorzunehmen, werden «die Kontakte von deinem Handy an Facebook geschickt», wie es heisst. Mit anderen Worten: Wer sein Adressbuch synchronisiert, liefert Facebook sämtliche dort vorhandenen Informationen wie Adresse, E-Mail und Telefonnummern all seiner Freunde, Bekannten und Geschäftspartner.

Der Nutzer wird zwar darauf hingewiesen, er solle sicherstellen, «dass alle deine Freunde mit deiner Nutzung ihrer Daten einverstanden sind» – aber wer tut das schon? Zumal es in der Applikation keine Auswahlfunktion gibt: Es werden entweder alle Kontakte synchronisiert oder keine.

Grundsätzlich sei es zweckmässig, dass überhaupt auf die Problematik hingewiesen werde, sagt Kosmas Tsiraktsopoulos, Informationschef des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten: «Gleichzeitig ist aber der Hinweis unter diesen technischen Voraussetzungen nicht umsetzbar.»

Obwohl es sich bei der Warnung also um ein Feigenblatt handelt, hat Facebook damit die Verantwortung auf den Nutzer abgeschoben. Rechtlich ist die Firma aus dem Schneider. Mit jedem synchronisierten Adressverzeichnis erhält Facebook hochwertige Daten von Dritten, ohne dass die davon Kenntnis haben.

Die Applikation ist ein ergiebiger Datenquell: In der Kategorie «Soziale Netzwerke» von iTunes Store fungiert sie als beliebtester Gratisdownload mit bereits über 11'000 Bewertungen.

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Facebook ist wegen seinem Umgang mit Nutzerdaten immer wieder in den Schlagzeilen. So können zum Beispiel erstellte Profile und hochgeladenen Daten nicht gelöscht, sondern nur deaktiviert werden. Facebook behält Datenkopien archiviert. Das dürfte auch für die Informationen aus den Adressverzeichnissen gelten.