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GoogleMit Daten Geld scheffeln

Wie Google an unsere Daten gelangt und was damit geschieht.

Wer sich im Internet bewegt, bewegt sich in der Matrix von Google.
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So gelangt Google an unsere Daten

1998 startete Google als Suchmaschine, die Informationen im Internet findet. Heute ist das Unternehmen in fast allen Bereichen tätig, in denen Daten über Nutzer gesammelt werden. Vom E-Mail-Dienst zum sozialen Netzwerk, von ­Büroanwendungen zu Kartendiensten, vom Browser Chrome über das Videoportal Youtube bis zum eigenen ­Betriebssystem, das auf jedem Android-Handy läuft.

Der gemeinsame Nenner aller Google-Dienste: Der Nutzer gibt ständig Informationen über sich preis. Die Produkte sind nur vordergründig gratis, der Nutzer ­bezahlt mit der Weitergabe seiner Daten. Wie umfangreich sie sind und wie Goo­gle sie verwerten kann, hängt wesentlich davon ab, ob sich ein Nutzer bei einem Google-Dienst ­angemeldet hat.

Ohne Anmeldung speichert Google bei ­einer Suchanfrage die IP-Adresse, die Zeit der Anfrage und weitere Daten zum Computer, zum Beispiel das benutzte Betriebssystem. In ­einem Cookie wird eine eindeutige Identifikation auf dem ­eigenen Rechner hinterlegt. Dadurch kann Google das Surfverhalten auch ausserhalb der Google-Dienste verfolgen, denn heute arbeitet etwa die Hälfte aller Websites mit Google Analytics, welches für die Webseiten-Betreiber und für Google Besuchsstatisiken erstellt. Solange man sich mit so einem Cookie nicht bei einem Google-Dienst anmeldet, weiss Google dagegen nicht, ­welche Person genau hinter dem PC sitzt.

Ganz anders, wenn sich ein Nutzer bei ­einem Google-Dienst registriert, also zum Beispiel Gmail nutzt. Dann wird der Kunde für Google zum gläsernen Surfer, selbst wenn er unterschiedliche Geräte benutzt. Nicht nur Suchanfragen können der Person zugeordnet werden. Google verbindet die Daten aus allen genutzten Diensten und reichert damit das Interessenprofil des Nutzers an. Wer Gmail nutzt, erlaubt es Google sogar, Mails nach Begriffen zu durchforsten, die auf Interessen des Nutzers hinweisen. Damit werden auch Nicht-Google-Nutzer gescannt, die Nachrichten an eine ­Gmail-Adresse senden. Deshalb haben Studenten in Kalifornien eine Sammel­klage gegen Google eingereicht.

Jeder angemeldete Nutzer kann zumindest die über ihn gesammelten Roh­daten einsehen. Über www.google.com/settings/dashboard findet man die ­verschiedenen Google-Dienste. Wählt man dort etwa «Standortverlauf», sieht man die mit dem Smartphone an Google übermittelten Ortungsdaten. Unter «Webprotokoll» werden die gespeicherten Suchanfragen gelistet. Einträge ­lassen sich hier auch löschen.

Das macht Google mit unseren Daten

Über 80 Prozent der Einnahmen von Google stammen aus Werbung, die mit Hilfe der gesammelten Daten immer ­genauer auf die Interessen der Nutzer abgestimmt wird. Wer keine Kinder hat, wird nicht mit Windelwerbung belästigt, wer regelmässig Business nach London fliegt, darf sich auf teure Hotelangebote freuen. Die Mehrheit der Einnahmen stammt von Google-eigenen Seiten, ­etwa von den gesponserten ­Werbelinks oberhalb der Resultate einer Google-­Suche. Der Werbekunde kann vorgeben, bei welchen Stichwörtern sein Angebot erscheinen soll. Wenn es ein Nutzer ­anklickt, kassiert Google. Hinzu kommen Werbefenster, die jeder Betreiber einer Website oder eines Blogs einrichten kann. Die Inserenten muss er nicht selber suchen, das Fenster wird von Google bespielt, indem die Firma den Platz ­unter Werbeinteressenten versteigert. Der Inserent muss bezahlen, sobald ein Nutzer auf die Werbung klickt. Etwa zwei Drittel des Betrags fliessen an den Seitenbetreiber, der Rest an Google. In den USA generiert Google mittlerweile mehr Werbeeinnahmen als alle Tageszeitungen zusammen. Da immer mehr Inserate ins Internet abwandern, wird Google auch in Zukunft schwer zu schlagen sein – dank seinen gläsernen Nutzern. 

Gute Alternativen zu Google

Startpage: Mit Startpage googelt man ­ohne Google. Die ­niederländische ­Firma liefert echte Google-Ergebnisse, ohne dabei die Daten des Nutzers ­(IP-Adresse oder Tracking-Cookies) zu speichern oder an Google weiter­zuleiten. Der Nutzer erhält auf diese Weise unpersonalisierte Suchresultate der original Google-Suchmaschine.

DuckDuckGo: Auch die ­amerikanische Suchmaschine DuckDuckGo verspricht, ­weder IP-Adresse noch Sucheingaben des Nutzers zu speichern. Die Such­ergebnisse werden nicht personalisiert. Mit speziellen Suchbefehlen, sogenannten Bangs, können spezielle Dienste ­direkt aufgerufen werden, zum Beispiel Google Maps (Befehl: «!maps»).

MetaGer: Eine deutsche Suchmaschine, die bei einer Anfrage gleich die Resultate von 20 bis 30 anderen Such­maschinen präsentiert – Google ist nicht dabei. Sehr viele nicht personalisierte Resultate, auf den ersten Blick aber etwas unübersichtlich. Speichert keine Suchanfragen und IP-Adressen.

Google in Zahlen


Jeder dritte Dollar, der 2013 weltweit für Online­werbung ausgegeben wurde, ­landete bei Google. Bei Werbung auf mobilen Geräten war es sogar jeder zweite Dollar.


Seit der Gründung hat Google 156 Firmen gekauft, 17 allein seit Anfang 2014.


An weiteren 225 Firmen ist Google mit Wagniskapital beteiligt.


13 Milliarden Dollar Gewinn erzielte Google 2013 – bei einem Umsatz von 60 Milliarden Dollar.


50'000 Angestellte arbeiten weltweit für Google.


Mit 2 Mitarbeitern eröffnete Google 2004 den Ableger in Zürich. Heute sind 1300 sogenannte Zoogler angestellt.


Google verarbeitet täglich rund 3 Milliarden Suchanfragen und zeigt mit jeder Antwort auf die Nutzer zugeschnittene Werbung an.


Mehr als 10 Prozent des Umsatzes steckt Google in Forschung und Entwicklung.


2 Milliarden Mal pro Tag werden Videos auf dem ­Portal Youtube aufgerufen, das Google 2006 erwarb.


10'000 Anträge auf Löschung pro Tag erhält Google in Europa. Die Firma ist gerichtlich dazu verpflichtet, solche Anträge zu prüfen.


Veröffentlicht am 24. Juni 2014