Die Verwirrung ist gross: Es gibt mehr als 200 verschiedene Preispläne für Smartphone-Besitzer, ­ermittelte der Internetvergleichsdienst Dschungelkompass.ch. Wer da das für ihn beste, günstigste Angebot auswählen will, braucht Nerven wie Telefondrähte.

Auf die Werbung kann man sich jedenfalls nicht verlassen. Ob Infinity von ­Swisscom, Now von Sunrise oder Me von Orange – die Produkte gaukeln Einfachheit vor, doch fast wöchentlich wechseln die Namen, und es kommen neue Angebote hinzu. Eben erst hat Marktführerin Swisscom die neuen Preispläne En­try Basic und Entry Plus lanciert, speziell für Handy­nutzer, die neu auf ein internetfähiges Smartphone umsteigen. Mit 33 respektive 44 Franken pro Monat sind sie günstiger als die Flatrate-Tarife, die die Telekom­anbieter bevorzugt propagieren. Aber sie umfassen auch weniger: Für monatlich 33 Franken kann man nur 30 Minuten lang ­telefonieren und höchstens 100 Megabyte Daten downloaden – einzig die Zahl der verschickten SMS ist unlimitiert.

Attraktiv ist das nur für die, die wenig mit dem Handy surfen, dann aber möglichst viel Tempo wollen. Denn Swisscom verspricht eine ebenso hohe Surfgeschwindigkeit wie beim teuersten Flatrateabo, das immerhin 169 Franken im Monat kostet. Doch die Surfgeschwindigkeit hängt immer auch vom verfügbaren Netz ab und ist praktisch nie so hoch wie versprochen, zeigen Tests. Deshalb sollte man sich davon nicht blenden lassen.

Eine Familie spart leicht 1000 Franken

Für die grosse Mehrheit sind andere An­gebote viel attraktiver. Der Vergleichsdienst Comparis hat berechnet, was ein Wenignutzer pro Monat für 60 Minuten Telefonieren, 30 SMS und 500 Megabyte Datendownload bezahlt: Mit Entry Plus von Swisscom sind es CHF 57.50 – deutlich mehr als bei den «Einsteigerabos» der Konkurrenz. Mit Me Swiss 60 von Orange bezahlt man 51 Franken, mit Now Start von Sun­rise CHF 46.50.

Vor allem aber ist das Swisscom-Angebot mehr als doppelt so teuer wie das beste: Bei Aldi Mobile, der Handymarke des Lebensmitteldiscounters, kostet die gleiche Leistung nur CHF 25.20. Auch die Tarife anderer Nischenanbieter sind deutlich günstiger als die von Swisscom, Sunrise und Orange (siehe Grafik).

«Die drei grossen Anbieter sind immer noch zu teuer», sagt Comparis-Telekom­experte Ralf Beyeler. Doch nur wenige Kunden wechseln zu einem günstigeren Anbieter. Das hängt laut Beyeler damit ­zusammen, dass vielen Leuten Folgendes nicht bewusst ist: «Hinter den Nischen­anbietern steckt das gleiche Netz, die gleiche Infrastruktur, ja meist sogar die gleiche Helpline – nur das Logo ist anders.» Eine repräsentative Umfrage zeigt: Drei Viertel aller Smartphone-Besitzer haben ein Abo und zahlen dafür im Schnitt 78 Franken monatlich. Obwohl eine Mehrheit ihren Anbieter als zu teuer betrachtet, wechseln nur wenige. Dabei könnte eine Familie pro Jahr leicht 1000 Franken weniger ausgeben. Und würden alle zum für sie günstigsten Angebot wechseln, könnten Schweizerinnen und Schweizer jährlich 2,6 Milliarden Franken sparen, schätzt Comparis.

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Am bequemsten möglich ist eine geschickte Wahl auf Vergleichsseiten wie Dschungelkompass.ch, die anhand des persönlichen Telefonieverhaltens das passende Angebot ermitteln.

Prepaid ist für die meisten am günstigsten

Noch etwas zeigen die Comparis-Berechnungen: Ein Abo lohnt sich meist nur für Vielnutzer, die mehrere Stunden pro Monat mit dem Handy telefonieren, Hunderte SMS verschicken und unterwegs viel surfen. Für Wenig- und Durchschnittsnutzer sind Prepaidmodelle in der Regel günstiger – kombiniert mit einer Zusatzoption für den Datendownload. Praktisch alle Prepaidanbieter haben solche Surfoptionen im Angebot. Bei Aldi Mobile kostet das Paket mit 500 Megabyte Datendownload für einen Monat nicht einmal zehn Franken; 500 Megabyte reichen für einen Grossteil der Nutzerinnen und Nutzer bei weitem aus. Sunrise etwa geht bei Durchschnittskunden von 300 Megabyte aus. Einzig ­Radiohören (Streaming) oder das Downloaden von ganzen Filmen liegt so nicht drin. Als Faustregel gilt: Eine Stunde Video kann bis zu 500 Megabyte beanspruchen.

Solche Surfoptionen sind erstaunlich günstig – 1 Gigabyte gibt es bei Ortel für ­gerade mal CHF 12.50, bei Aldi für CHF 14.90. Und sie ermöglichen eine Art günstige ­Telefonie- und SMS-Flatrate. Wer eine App wie Tango oder Viber auf seinem Smartphone installiert, kann gratis und franko telefonieren und Messages verschicken, so viel er will – meist allerdings nur mit Usern, die die gleiche App installiert haben (siehe auch «So zahlt man nichts für SMS»).

Auf diesen Zug ist auch Swisscom aufgesprungen und bietet die App iO an. Deren seit wenigen Tagen verfügbare Option +Schweiz ermöglicht es, unbegrenzt auf ­alle Schweizer Telefonnummern anzurufen und weltweit gratis SMS zu verschicken. Der Clou: Das kostet 20 Franken im Monat, ist aber auch für Nicht-Swisscom-Kunden zu haben. «So kommt man sehr günstig zu einer wahren Flatrate», erklärt Oliver Zadori, Gründer von Dschungelkompass.ch. Ausser der Monatspauschale von 20 Franken benötigt man nur eine Surf­option ­seines Anbieters. Laut Swisscom braucht Telefonieren über iO etwa 0,5 Megabyte pro Minute. Mit einer 1-Gigabyte-Surfoption (etwa von Ortel für CHF 12.50) kann man also monatlich bis zu 2000 Minuten telefonieren – mehr als ­genug. Für monatlich CHF 32.50 hat man so eine Quasi­flatrate via Swisscom – ein Bruchteil der Kosten für ein Swisscom-Flatrateabo. Comparis-Experte Beyeler ist allerdings zurückhaltend beim Empfehlen dieser Variante, weil er in ersten Tests die Sprachqualität als schlechter als bei herkömmlicher Mobiltelefonie beurteilt. Es rausche im Hintergrund, und die Stimme sei manchmal verzerrt.

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Flatrates werden immer unattraktiver

Auch dank dieser neuen Technologie werden die von Swisscom und Co. mit viel Aufwand beworbenen Flatrates immer unattraktiver – weil sie sich schlicht nicht rechnen. Sie machen zwar die monatlichen Kosten kalkulierbar, doch keine Flatrate umfasst wirklich «alles inklusive» – stets kommen noch Kosten dazu, sei es fürs Telefonieren oder Surfen im und ins Ausland oder für Anrufe auf Service- und Mehrwertnummern. Vor allem aber kostet die Flatrate auch dann viel Geld, wenn man sie gar nicht braucht, etwa in den Ferien. Lohnend ist eine Flatrate deshalb erst dann, wenn die monatlichen Rechnungsbeträge deutlich, das heisst mindestens 20 Prozent, über der Flatrate-Monatsgebühr liegen.